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Bestehender Hafen Matarani in Arequipa – Vergleich zum geplanten Megahafen Corío; Foto: Diegusposesiusdiminutius, CC BY-SA 3.0

844 Millionen Dollar für neuen Megahafen! Braucht Peru nach Chancay wirklich noch Corío?

Arequipa plant den Megahafen Corío für 844 Millionen Dollar. Doch braucht Peru nach Chancay einen weiteren Großhafen?

Peru plant den nächsten Hafen-Giganten! Während Chancay nördlich von Lima bereits Schiffe abfertigt, soll im Süden ein weiteres Großprojekt entstehen. Für den geplanten Megahafen Corío in Arequipa stehen 844,48 Millionen US-Dollar im Masterplan. Doch braucht Peru nach Chancay tatsächlich noch einen weiteren Megahafen?

Arequipa will mit Corío ganz groß raus!

Am 12. Oktober 2026 unterzeichneten ProInversión und die Regionalregierung von Arequipa eine Vereinbarung, um Investoren für das Projekt in der Provinz Islay zu gewinnen. Der im September genehmigte Masterplan sieht drei Bauphasen vor. Allein die erste soll 651,98 Millionen US-Dollar kosten. Ein Baubeginn ist damit noch nicht beschlossen.

Internationale Investoren zeigen Interesse

Nach Angaben der Verantwortlichen gibt es Interesse aus China, Indien, Südkorea, den Vereinigten Staaten und weiteren Ländern. Doch Interesse ist kein Finanzierungsvertrag. Ein ausgewählter Betreiber oder eine gesicherte Finanzierung wurden bislang nicht bekannt gegeben.

Chancay ist schon da! Wozu braucht Peru noch Corío?

Chancay wurde im November 2024 eingeweiht und soll den Handel mit Asien stärken. Corío könnte dagegen eine andere Region bedienen: den Süden Perus sowie mögliche Güterströme aus Bolivien und Brasilien. Entscheidend ist, ob sich damit Transportwege tatsächlich verkürzen und zusätzliche Warenmengen gewinnen lassen.

Die Konkurrenzfrage endet nicht bei Chancay. Auch Matarani übernimmt bereits wichtige Hafenaufgaben in Arequipa. Corío müsste deshalb nachweisen, welche Leistungen es wirtschaftlicher oder in größerem Umfang anbieten kann. Neue Anleger allein garantieren noch keine Nachfrage.

34.000 Hektar Logistikstadt – und riesige Jobversprechen

Zum Projekt gehört eine geplante Logistikstadt mit mehr als 34.000 Hektar. Vorgesehen sind Lagerflächen, Industrieanlagen und Transportdienstleistungen. Die Regionalregierung stellt langfristig mehr als 50.000 direkte und 150.000 indirekte Arbeitsplätze in Aussicht. Das sind Prognosen, keine bereits geschaffenen Stellen.

Ohne Straßen und Schienen wird es schwierig

Für Waren aus Brasilien, Bolivien und dem peruanischen Hinterland braucht Corío leistungsfähige Verbindungen. Straßen, Eisenbahnen, Energieversorgung und Logistikflächen verursachen zusätzliche Kosten. Die 844,48 Millionen US-Dollar beziehen sich auf die geplante Hafeninfrastruktur, nicht auf sämtliche Bestandteile der künftigen Wirtschaftsregion.

China, Indien und die Vereinigten Staaten zeigen Interesse!

Nach Angaben von Regionalgouverneur Rohel Sánchez interessieren sich Unternehmen aus China, Südkorea, Indien, der Türkei, den Niederlanden und den Vereinigten Staaten für das Projekt. Das internationale Interesse ist für Arequipa ein wichtiges Signal. Allerdings ist nicht bestätigt, dass eines dieser Unternehmen den Bau oder Betrieb bereits vertraglich übernommen hat.

844 Millionen Dollar! So teuer soll der Hafen werden

Der genehmigte Masterplan veranschlagt 844,48 Millionen US-Dollar. Auf die erste Bauphase mit einem Mehrzweckterminal entfallen 651,98 Millionen US-Dollar. Für die zweite Phase sind 109,25 Millionen US-Dollar vorgesehen, unter anderem für zusätzliche Anlegekapazitäten und Lageranlagen. Weitere 83,25 Millionen US-Dollar entfallen auf die dritte Phase mit zusätzlichen technischen Anlagen. Die einzelnen Bauphasen hängen von der Nachfrage und weiteren Investitionsentscheidungen ab.

Chancay oder Corío? Eine wirtschaftliche Rechnung

Der Megahafen Chancay wurde im November 2024 eingeweiht. Er soll insbesondere den Handel mit Asien erleichtern. Corío könnte eine andere Funktion erfüllen: Güter aus dem Süden Perus und möglicherweise aus Bolivien und Brasilien über den Pazifik transportieren. Für Unternehmen aus Arequipa, Moquegua, Tacna und dem Hochland wären kürzere Transportwege denkbar. Ob die Ersparnis groß genug ist, müssen Verkehrs- und Frachtprognosen erst belegen.

Hinzu kommt Matarani, der bestehende Hafen in Arequipa. Ein weiterer Großhafen müsste gegenüber Matarani und Chancay einen zusätzlichen Nutzen schaffen, statt vorhandene Umschlagmengen lediglich anders zu verteilen. Entscheidend sind die Gütermengen, Hafenentgelte, Transportzeiten und die tatsächliche Erreichbarkeit.

200.000 Arbeitsplätze? Die großen Versprechen

Die Regionalregierung rechnet für das Gesamtprojekt langfristig mit mehr als 50.000 direkten und 150.000 indirekten Arbeitsplätzen. Diese Zahlen sind Erwartungen und keine Beschäftigungszusagen. Eine neue Logistikstadt mit rund 34.596 Hektar soll Industrie, Lagerflächen und Transportbetriebe anziehen. Welche Unternehmen sich tatsächlich ansiedeln, ist noch offen.

Ohne neue Verkehrswege bleibt der Hafen ein Traum

Damit Güter aus dem Hinterland den Hafen erreichen, werden leistungsfähige Straßen, Bahnverbindungen und Umschlaganlagen benötigt. Solche Investitionen können weit über die Hafenbaukosten hinausgehen. Die 844,48 Millionen US-Dollar dürfen daher nicht als Preis für die komplette Logistikstadt samt Verkehrsanbindungen verstanden werden.

Wer bezahlt das Projekt? Noch ist vieles offen

Im September 2026 wurde der Hafen-Masterplan genehmigt. Die Vereinbarung vom 12. Oktober soll nun Investoren gewinnen. Ein verbindlicher Baubeginn, eine gesicherte Gesamtfinanzierung und ein ausgewählter Betreiber wurden damit nicht bekannt gegeben. Die wirtschaftliche Frage bleibt: Erschließt Corío zusätzliche Handelsströme, oder wird der Hafen vor allem Konkurrenz zu Chancay und Matarani? Das müssen belastbare Zahlen zeigen.

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Quellen

ProInversión, 12. Oktober 2026: Corío als Logistikprojekt des Südens. Diario Oficial El Peruano, 13. Oktober 2026: Hafenprojekt Corío. Gobierno Regional Arequipa, 2026: Ciudad Puerto Corío. Wikimedia Commons: Diegusposesiusdiminutius, Puertodematarani.JPG, 2013, CC BY-SA 3.0; Bild zeigt den bestehenden Hafen Matarani.