Peru und China beginnen eine neue archäologische Zusammenarbeit. Im Mittelpunkt steht die rund 5.000 Jahre alte Caral-Zivilisation. Erstmals beteiligt sich ein chinesisches Archäologenteam an einem gemeinsamen Feldforschungsprojekt in Südamerika.
Die archäologische Forschung in Peru bekommt internationale Verstärkung. Chinesische und peruanische Wissenschaftler wollen gemeinsam mehrere Fundstätten der Caral-Zivilisation untersuchen. Grundlage dafür sind Kooperationsvereinbarungen, die am 21. August 2026 unterzeichnet wurden.
Drei Institutionen arbeiten zusammen
An dem Projekt sind das Archäologische Institut der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften, die Zona Arqueológica Caral des peruanischen Kulturministeriums sowie die Universidad Nacional Mayor de San Marcos in Lima beteiligt.
Für China ist das Projekt eine Premiere: Es handelt sich um das erste gemeinsame archäologische Feldforschungsprojekt chinesischer Archäologen in Südamerika. Die Zusammenarbeit soll dabei deutlich über einzelne Ausgrabungen hinausgehen.
Was soll in Caral untersucht werden?
Die chinesischen und peruanischen Wissenschaftler planen umfangreiche Untersuchungen an Fundstätten der Caral-Zivilisation. Dazu gehören archäologische Geländeerkundungen, spätere Ausgrabungen sowie naturwissenschaftliche und technologische Untersuchungsmethoden.
Auch die Konservierung des kulturellen Erbes gehört zur Vereinbarung. Ein weiterer Schwerpunkt ist die gemeinsame Ausbildung von Archäologen und anderen Fachkräften. Peru und China wollen damit nicht nur einzelne Forschungsprojekte durchführen, sondern langfristig Wissen, Erfahrungen und Methoden austauschen.
Erste Untersuchungen in zwei Flusstälern
Die erste Phase des Projekts ist bereits konkreter umrissen. Das gemeinsame Team soll zunächst Untersuchungen in den Tälern der Flüsse Chancay-Huaral und Supe durchführen. Dabei werden archäologische Fundplätze vor Ort untersucht und dokumentiert. Die Ergebnisse sollen anschließend helfen, spätere Ausgrabungen genauer zu planen.
Gerade das Supe-Tal besitzt für die Erforschung der frühen Geschichte Amerikas eine außergewöhnliche Bedeutung. Hier entwickelte sich vor rund 5.000 Jahren eine Gesellschaft, die heute zu den ältesten bekannten komplexen Zivilisationen des amerikanischen Kontinents gezählt wird.
Caral ist rund 5.000 Jahre alt
Die Caral-Zivilisation entwickelte sich ungefähr zwischen 3000 und 1800 vor Christus. Damit existierte im heutigen Peru bereits eine hoch entwickelte Gesellschaft, als viele andere bekannte Kulturen Amerikas noch nicht entstanden waren.
Die Heilige Stadt Caral-Supe liegt in der Provinz Barranca nördlich von Lima und gehört seit 2009 zum UNESCO-Welterbe. Monumentale Architektur, Zeremonialanlagen und große öffentliche Bauwerke zeigen, wie komplex die damalige Gesellschaft bereits organisiert war.
Auch in den vergangenen Jahren haben Ausgrabungen immer wieder neue Erkenntnisse geliefert. Anfang 2025 meldeten peruanische Forscher beispielsweise ein bislang unbekanntes pyramidenförmiges Bauwerk in der nahe gelegenen archäologischen Siedlung Chupacigarro.
Forschung soll später auf die Inka ausgeweitet werden
Besonders interessant ist, dass die neue Zusammenarbeit nicht auf Caral beschränkt bleiben soll. Nach Angaben der chinesischen Seite ist vorgesehen, die Kooperation später auf archäologische Hinterlassenschaften der Inka im Andenhochland auszuweiten.
Dabei sollen auch vergleichende Untersuchungen zwischen frühen chinesischen und südamerikanischen Zivilisationen eine Rolle spielen. Aus dem zunächst auf Caral konzentrierten Projekt könnte damit eine langfristige archäologische Zusammenarbeit zwischen Peru und China entstehen.
Warum die Zusammenarbeit für Peru wichtig ist
Für die peruanische Archäologie eröffnet das Projekt zusätzliche Möglichkeiten. Moderne Untersuchungsverfahren können dabei helfen, Strukturen, Materialien und Fundstücke genauer zu analysieren und gleichzeitig empfindliche archäologische Bereiche zu schützen.
Caral bleibt dabei eines der wichtigsten Forschungsgebiete für die Frage, wie sich komplexe Gesellschaften in Amerika entwickelten. Die neue Kooperation bringt Wissenschaftler zweier Länder zusammen, die beide über einige der ältesten und umfangreichsten archäologischen Kulturlandschaften der Welt verfügen.
Für Peru bedeutet das Projekt deshalb mehr als eine weitere Grabungskampagne. Caral wird erneut zum Ausgangspunkt internationaler Forschung über die frühen Zivilisationen der Menschheit.