Perusina, Perusino und Franz an der Laguna Azul
Die Laguna Azul wirkt so blau, als haette jemand den Himmel ins Wasser gekippt. Doch unter dem Steg gleitet ein dunkler Schatten vorbei, und ploetzlich fehlen Paddel, Laterne und ein blaues Amulett.
Perusina sieht Linien auf dem Seegrund. Perusino haelt sich am Boot fest. Und Franz meldet: Dieser Schatten riecht nach jemandem, der nicht gesehen werden will.
Der Schatten unter der Laguna Azul
Ein Laguna-Azul-Abenteuer ueber klares blaues Wasser, Spiegelungen, einen wandernden Schatten, verschwundene Bootssachen, ein geheimes Seil und die Frage, warum ein See manchmal mehr zeigt, als man zuerst sieht.
Franz traute der Laguna Azul von Anfang an nicht.
Nicht, weil sie gefaehrlich aussah. Genau das war ja das Problem. Sie sah viel zu schoen aus. Das Wasser war so blau, dass Perusino sofort sagte: "Wenn man da reinfaellt, kommt man bestimmt als Himmel wieder raus."
Franz stand am Steg, schnupperte und kniff die Augen zusammen. "Der See riecht nicht wie Himmel."
"Wie riecht Himmel denn?", fragte Perusina.
"Nach nichts. Dieser See riecht nach nassem Holz, Fisch, Bootslack und..." Franz hielt inne. Seine Ohren stellten sich auf. "...nach jemandem, der nicht gesehen werden will."
In diesem Moment bewegte sich etwas unter dem Wasser.
Nicht oben. Nicht als Welle.
Tiefer.
Ein langer dunkler Schatten glitt unter dem Steg hindurch.
Perusino sprang zurueck, trat auf ein loses Brett, ruderte mit den Armen und waere fast in den See gefallen. Perusina packte ihn gerade noch am Rucksack.
"Das war kein Fisch", fluesterte sie.
Ein alter Bootsfuehrer kam mit einem schmalen Ruderboot heran. Er hiess Don Eusebio und sah so aus, als haette er mehr Geheimnisse gesehen als Regenwolken.
"Ihr habt ihn also auch gesehen", sagte er.
"Wen?", fragte Perusino.
Don Eusebio sah ueber die Schulter, als koennte der See mithoeren. "Den Schatten. Seit drei Tagen taucht er immer zur gleichen Zeit auf. Danach verschwinden Dinge."
"Welche Dinge?", fragte Perusina.
"Ein Paddel. Eine Laterne. Ein Korb Yucca." Er zeigte auf sein Boot. "Und heute Morgen mein blaues Amulett. Ohne das fahre ich nicht weit hinaus."
Franz blinzelte. "Ein Schatten, der Yucca klaut? Der hat Geschmack."
Perusina kniete sich an den Rand des Stegs. Die Laguna Azul war so klar, dass sie helle Steine, Wasserpflanzen und kleine Fische sehen konnte. Aber dazwischen lagen dunkle Linien auf dem Grund.
Nicht zufaellig.
Wie eine Spur.
"Wir fahren raus", sagte sie.
Das Boot schob sich ueber das blaue Wasser. Links raschelte Schilf. Rechts flatterte ein Vogel dicht ueber die Oberflaeche. Perusino hielt sich mit beiden Haenden fest.
"Nur zur Sicherheit", sagte er. "Ich vertraue Booten. Aber nicht Schatten mit Appetit."
Dann kam der Schatten zurueck.
Er schoss unter dem Boot hindurch.
Das Boot kippte.
Franz krallte sich an einen Seilring. Perusino schrie so laut, dass ein Reiher erschrocken aufflog. Perusina sah gerade noch etwas Blaues zwischen Wasserpflanzen verschwinden.
"Das Amulett!", rief sie.
"Und der Schatten?", rief Perusino.
"Der zieht es!"
Don Eusebio ruderte schneller. Der Schatten schlaengelte sich Richtung Ufer. Aber er bewegte sich nicht wie ein Tier. Eher wie etwas, das an einer Schnur hing.
Perusina griff nach einem Ersatzpaddel und tippte ins Wasser.
Klonk.
"Da unten liegt etwas Hartes", sagte sie.
Franz beugte sich vor. "Wenn es Zaehne hat, moechte ich vorher informiert werden."
Unter der Oberflaeche lag ein alter Baumstamm. Daran hatte sich ein Gewirr aus Seilen, Wasserpflanzen und verlorenen Bootssachen verfangen. Bei jeder Welle bewegte sich alles zusammen. So entstand der Schatten.
"Also kein Seeungeheuer?", fragte Perusino enttaeuscht.
Da ruckte das Seil.
Nicht von allein.
Am Ufer tauchte ein Junge hinter dem Schilf auf. Er hielt das andere Ende der Schnur in der Hand. Als er merkte, dass sie ihn sahen, liess er los und rannte.
"Hinterher!", rief Perusina.
Franz sprang als Erster aus dem Boot. Perusino folgte, rutschte im Uferlehm aus und kam auf allen vieren wieder hoch.
"Ich mache das absichtlich", japste er. "Fuer bessere Bodenkenntnis."
Sie jagten durch nasses Gras, vorbei an Bananenstauden, Fischernetzen und einem Haufen alter Bootsbretter. Der Junge war schnell. Aber Franz war schneller.
Er stellte sich vor ihn, stellte die Ohren auf und sah sehr offiziell aus.
"Stopp. Ich habe Fragen. Und eventuell Hunger."
Der Junge blieb stehen.
Er hiess Mateo. Und er hatte den Schatten nicht erfunden, um jemanden zu erschrecken. Sein kleiner Bruder hatte Don Eusebios Amulett beim Spielen verloren. Mateo wollte es heimlich zurueckholen, bevor es Aerger gab. Dabei hatte er an den falschen Seilen gezogen und das ganze Durcheinander im Wasser bewegt.
Perusina atmete aus. "Dann holen wir es richtig raus."
Zurueck am Boot banden sie das Netz an zwei Paddel. Don Eusebio zog von links, Perusino von rechts. Mateo hielt das Boot. Franz gab sehr laute Anweisungen, von denen keine besonders hilfreich war.
Perusina tauchte den Arm bis zur Schulter ins Wasser. Ihre Finger tasteten ueber glitschige Pflanzen, Holz, Seil. Dann bekam sie etwas Hartes zu fassen.
"Ich hab's!"
In diesem Moment loeste sich der Baumstamm. Das Netz schnellte hoch. Paddel, Laterne, Yucca-Korb und eine voellig beleidigte Krabbe spritzten aus dem Wasser. Perusino bekam den Korb an die Brust und fiel rueckwaerts ins Boot.
"Ich habe die Yucca gerettet", hustete er.
Am Abend hing das blaue Amulett wieder am Boot. Die Laguna Azul lag ruhig da, als waere nichts gewesen. Aber jetzt wussten sie: Manchmal ist ein Schatten kein Monster. Manchmal ist er ein Durcheinander, das jemand zu lange versteckt.
Franz sah misstrauisch auf den See. "Ich traue ihm immer noch nicht."
"Warum?", fragte Perusina.
Franz zeigte auf den geretteten Yucca-Korb. "Weil er eindeutig gute Vorraete verschluckt."
Was steckt in diesem Abenteuer?
Drei Spuren der Freunde
Sie erkennt, dass die dunklen Linien auf dem Grund wie eine Spur wirken und dass der Schatten nicht wie ein Tier schwimmt.
Er faellt fast ins Wasser, zieht spaeter am Netz und rettet am Ende heldenhaft einen Yucca-Korb. Zumindest behauptet er das.
Er merkt, dass jemand am Ufer etwas verbergen will, stellt Mateo und bleibt trotzdem vor allem wegen der verschwundenen Vorraete besorgt.
Deine Entdeckeraufgabe
Zeichne eine blaue Lagune von oben. Verstecke darunter drei Dinge, die zusammen wie ein Monster-Schatten aussehen. Welche Teile erkennt man erst, wenn man genau hinsieht?
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Ist diese Seite ein Reisefuehrer?
Nein. Die Seite ist eine Kinder-Abenteuergeschichte. Die Laguna Azul wird ueber Schatten, Wasserfarbe, Boote, Ufer und genaues Beobachten erlebbar gemacht.
Was ist an der Laguna Azul besonders?
Besonders ist ihr blau wirkendes Wasser und die starke Verbindung zu Sauce in der Region San Martin. In der Geschichte wird daraus ein Raetsel unter der Wasseroberflaeche.
Gibt es den Schatten wirklich?
Der Schatten ist fuer die Geschichte erfunden. Die Idee dahinter stimmt aber: Unter Wasser koennen Pflanzen, Holz, Seile und Spiegelungen zusammen sehr anders aussehen, als sie wirklich sind.
Warum geht es nicht wieder um Umweltverschmutzung?
Weil die Sauce-Geschichte dieses Thema schon hatte. Diese Laguna-Azul-Seite nimmt einen anderen Blick: klares Wasser, Schatten, Spiegelung, Sehen und Verstehen.
Was lernen Kinder in diesem Abenteuer?
Sie lernen, dass man Naturphaenomene untersuchen kann: Wasserfarbe, Licht, Tiefe, Pflanzen, Schatten und Bewegungen koennen Hinweise sein.
Quellen und weiterfuehrende Informationen
Die Sachinformationen der Lernabschnitte orientieren sich an allgemeinen Informationen zur Laguna Azul bei Sauce, zur Region San Martin, zu Seen, Wasserfarbe, Uferbereichen und Gewaesseroekologie:
- PromPeru: allgemeine Informationen zu Sauce, Laguna Azul und der Region San Martin
- iPeru: touristische Basisinformationen zur Laguna Azul und Umgebung
- Allgemeine Informationen zu Seen, Wasserpflanzen, Licht, Spiegelungen und Wasserfarbe
- Allgemeine Informationen zu Uferzonen, Bootsnutzung und Schutz empfindlicher Gewaesser