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Peru und Polen – diplomatische Beziehungen zwischen beiden Staaten

PERU UND POLEN MACHEN ERNST: Neuer Pakt gegen Verbrecher – und plötzlich geht es um viel mehr

Peru und Polen schließen in New York ein neues Auslieferungsabkommen. Gleichzeitig wächst die Zusammenarbeit bei Wirtschaft, Energie, Umwelt und Antarktisforschung.

Peru und Polen ziehen die Schrauben an: Wer in einem der beiden Länder wegen schwerer Straftaten gesucht wird und sich in das andere Land absetzt, soll künftig auf einer klareren bilateralen Rechtsgrundlage ausgeliefert werden können. In New York haben beide Staaten ein neues Auslieferungsabkommen unterzeichnet. Doch bei dem Treffen ging es längst nicht nur um gesuchte Straftäter. Wirtschaft, Energie, Umwelt und sogar die Antarktis stehen inzwischen auf der gemeinsamen Agenda.

Perus Außenminister Carlos Espá und Polens Vizepremier und Außenminister Radosław Sikorski unterzeichneten das Abkommen am 21. September 2026 in New York. Beide Politiker halten sich dort im Zusammenhang mit der 81. UN-Generalversammlung auf. Damit bekommt eine Beziehung neue Substanz, die für viele Peruaner und Polen bisher kaum im Mittelpunkt stand. Einen breiteren Einstieg in das Land, seine Regionen und aktuellen Themen bietet der Peru-Überblick von PeruMagazin.

WER SICH NACH POLEN ODER PERU ABSETZT, SOLL ES SCHWERER HABEN

Das neue Auslieferungsabkommen soll die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von grenzüberschreitender organisierter Kriminalität, Terrorismus, Korruption und Straflosigkeit stärken. Dabei geht es nicht nur darum, eine gesuchte Person von einem Staat an den anderen zu übergeben. Das Abkommen umfasst nach Angaben der peruanischen Regierung auch die Beschlagnahme von Gegenständen, Dokumenten und Beweismitteln. Organisierte Kriminalität gehört auch innerhalb Perus zu den wichtigen Sicherheitsthemen, die PeruMagazin auf der Seite Sicherheit in Peru ausführlicher einordnet.

Gleichzeitig sollen Verfahren einfacher werden. Bestimmte Dokumente sollen nicht mehr die bisherigen Legalisierungen und weitere Formalitäten durchlaufen müssen. Das klingt zunächst nach trockenem Verwaltungsrecht. In einem internationalen Strafverfahren können genau solche Abläufe jedoch darüber entscheiden, wie schnell Behörden miteinander arbeiten können.

BIS VOR KURZEM GAB ES NICHT EINMAL EIN BILATERALES AUSLIEFERUNGSABKOMMEN

Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Noch am 20. Mai 2026 stellte die peruanische Regierung in einem konkreten Auslieferungsverfahren ausdrücklich fest, dass zwischen Peru und Polen kein bilateraler Auslieferungsvertrag bestand. Damals ging es um einen polnischen Staatsbürger, dessen Auslieferung von Peru nach Polen genehmigt wurde.

Nach den offiziellen peruanischen Unterlagen sollte der Mann in Polen unter anderem verhängte Strafen wegen Betrugs, Beteiligung an einer kriminellen Organisation, Handels mit erheblichen Mengen psychotroper Substanzen sowie Einbruchsdelikten verbüßen. Weil kein bilateraler Auslieferungsvertrag existierte, stützte sich das Verfahren unter anderem auf internationale UN-Übereinkommen, peruanisches Recht und das Prinzip der Gegenseitigkeit. Nur vier Monate später steht nun ein eigenes Auslieferungsabkommen zwischen beiden Ländern.

AUCH PERU HATTE BEREITS EINEN MANN AUS POLEN GEFORDERT

Die Verbindung funktioniert außerdem in die andere Richtung. Bereits 2025 hatte Peru die aktive Auslieferung eines polnischen Staatsbürgers beantragt, der in Peru wegen des Verdachts auf illegalen Drogenhandel verfolgt werden sollte. Auch in diesem Verfahren wurde offiziell darauf hingewiesen, dass zwischen Peru und Polen kein bilateraler Auslieferungsvertrag bestand.

Das macht deutlich, warum das neue Abkommen nicht lediglich diplomatische Symbolik ist. Zwischen beiden Staaten gab es bereits konkrete Fälle, bei denen genau diese Rechtsfrage eine Rolle spielte.

DER VERTRAG KAM NICHT ÜBER NACHT

Peru und Polen arbeiten schon länger an einer engeren strafrechtlichen Zusammenarbeit. Bereits im April 2024 verhandelten Delegationen beider Länder in Lima über gegenseitige Rechtshilfe in Strafsachen. Die polnische Staatsanwaltschaft erklärte damals ausdrücklich, dass auch der von Peru vorgelegte Entwurf eines Auslieferungsabkommens behandelt worden sei.

Beide Seiten sahen die Notwendigkeit, verbindliche rechtliche Regeln für die Auslieferung gesuchter Personen zu schaffen. Im Jahr 2025 folgten weitere Gespräche. Nun wurde das Auslieferungsabkommen in New York unterzeichnet. Aus jahrelangen Verhandlungen wird damit ein konkretes bilaterales Instrument.

ABER DANN WIRD DAS TREFFEN PLÖTZLICH NOCH INTERESSANTER

Wer glaubt, Peru und Polen hätten in New York lediglich über Kriminelle gesprochen, übersieht den zweiten Teil der Meldung. Beide Außenminister besprachen auch die weitere Umsetzung einer bereits 2025 vereinbarten bilateralen Roadmap.

Und die reicht deutlich weiter. Eine polnische Wirtschaftsdelegation soll Peru besuchen, um die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern voranzubringen. Außerdem laufen Gespräche über ein Memorandum of Understanding zwischen den Umweltministerien beider Staaten. Doch selbst damit war die Themenliste noch nicht beendet.

ENERGIESICHERHEIT UND ANTARKTISFORSCHUNG

Peru und Polen wollen auch über Energiesicherheit enger zusammenarbeiten. Gerade dieser Punkt könnte langfristig interessant werden. Peru verfügt über erhebliche natürliche Ressourcen und verfolgt gleichzeitig den Ausbau seiner Energieversorgung. Polen wiederum besitzt einen großen europäischen Energie- und Industriesektor und befindet sich selbst mitten in einem weitreichenden Umbau seiner Energieversorgung.

Welche konkreten gemeinsamen Projekte daraus entstehen, ist bislang allerdings noch offen. Die Außenminister haben über eine Zusammenarbeit gesprochen; konkrete Investitionen oder abgeschlossene Energieprojekte wurden bei dem Treffen nicht bekanntgegeben.

Noch ungewöhnlicher erscheint ein weiterer Punkt: Antarktisforschung. Sowohl Peru als auch Polen sind wissenschaftlich in der Antarktis aktiv. Peru betreibt dort die Forschungsstation Machu Picchu, Polen die Station Henryk Arctowski. Wer beim Namen Machu Picchu zunächst an die berühmte Inka-Stadt denkt, findet bei PeruMagazin ausführliche Informationen über das eigentliche Machu Picchu in den peruanischen Anden. Damit gibt es tatsächlich ein gemeinsames Forschungsfeld, das auf den ersten Blick kaum jemand mit den Beziehungen zwischen Lima und Warschau verbinden dürfte.

VON LIMA ÜBER WARSCHAU BIS IN DIE ANTARKTIS

Das Treffen in New York zeigt deshalb eine Entwicklung, die über ein einzelnes Auslieferungsabkommen hinausgeht. Im Zentrum steht zunächst eine ganz konkrete Frage: Wie können zwei Staaten schneller und rechtssicherer zusammenarbeiten, wenn eine gesuchte Person die Grenze überschritten hat? Dafür haben Peru und Polen nun ein eigenes Abkommen unterzeichnet.

Parallel versuchen beide Regierungen jedoch, ihre Beziehungen auf weitere Bereiche auszudehnen: Wirtschaft, Umwelt, Energie und Wissenschaft. Damit entsteht aus einer bislang eher wenig beachteten Verbindung zwischen einem südamerikanischen und einem mitteleuropäischen Staat Schritt für Schritt eine breitere Zusammenarbeit.

DIE HARTEN FAKTEN

Am 21. September 2026 wurde das Auslieferungsabkommen in New York von Perus Außenminister Carlos Espá und Polens Vizepremier und Außenminister Radosław Sikorski unterzeichnet. Im Mittelpunkt stehen die Bekämpfung organisierter grenzüberschreitender Kriminalität, Terrorismus, Korruption und Straflosigkeit. Hinzu kommen Regelungen zur Beschlagnahme beziehungsweise Übermittlung von Gegenständen, Dokumenten und Beweismitteln sowie zur Vereinfachung administrativer Verfahren.

Die Vorgeschichte reicht mehrere Jahre zurück. 2024 fanden in Lima Verhandlungen über eine engere strafrechtliche Zusammenarbeit und das geplante Auslieferungsabkommen statt. 2025 beantragte Peru in einem konkreten Fall die Auslieferung eines polnischen Staatsbürgers aus Polen. Im Mai 2026 genehmigte Peru wiederum die Auslieferung eines polnischen Staatsbürgers nach Polen – damals noch ausdrücklich ohne bilateralen Auslieferungsvertrag.

Neben der Zusammenarbeit im Strafrecht stehen inzwischen weitere Themen auf der Agenda. Dazu gehören eine geplante polnische Wirtschaftsdelegation nach Peru sowie Gespräche über Umweltkooperation, Energiesicherheit und gemeinsame Interessen in der Antarktisforschung.

AUS EINEM VERTRAG KÖNNTE MEHR WERDEN

Das Auslieferungsabkommen ist zunächst ein Werkzeug für Polizei, Staatsanwaltschaften, Justiz und Regierungen. Seine praktische Bedeutung wird sich daran messen lassen, wie es bei zukünftigen Fällen angewendet wird. Politisch interessanter ist möglicherweise, was gleichzeitig daneben entsteht.

Wenn die angekündigte Wirtschaftsdelegation tatsächlich nach Peru kommt, die Umweltministerien ihre Vereinbarung vorantreiben und aus den Gesprächen über Energie und Forschung konkrete Projekte werden, könnte der 21. September 2026 rückblickend mehr gewesen sein als nur der Tag, an dem zwei Außenminister ein Auslieferungsabkommen unterschrieben. Peru und Polen haben jedenfalls eine Tür geöffnet. Jetzt wird sich zeigen, was beide Staaten daraus machen.

Quellen: Ministerio de Relaciones Exteriores del Perú, Nota de Prensa 204-26, 21. September 2026 · Diario Oficial El Peruano, 21. September 2026 · EFE, 22. September 2026 · Prokuratura Krajowa der Republik Polen · Resolución Suprema N.° 102-2026-JUS, Peru · Offizielle peruanische Auslieferungsentscheidung 2025.
Bildquelle: Agencia Peruana de Noticias Andina, Peru–Polen, 14. Dezember 2023.

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