Bongará
An der Laguna Pomacochas verschwindet Perusinos rote Mütze. Der einzige Zeuge ist ein winziger Kolibri mit zwei langen Schwanzfedern, die wie violette Löffel aussehen.
Der Kolibri kann nicht sprechen. Doch sein Flugtanz zeigt den drei Freunden eine Spur, die tief in den Nebelwald und mitten in einen gefährlichen Fall führt.

Der Fall der fliegenden Mütze
Ein rasantes Bongará-Abenteuer über einen seltenen Kolibri, eine gestohlene Mütze und eine Spur, die nur in der Luft zu lesen ist.
Der Wind strich über die Laguna Pomacochas und ließ das Schilf rascheln. Perusino saß auf dem Steg, hatte die Schuhe ausgezogen und seine rote Mütze neben sich gelegt.
„Nur fünf Minuten Pause“, sagte er. „Dann können wir weiter.“
Franz steckte den Kopf in Perusinos Provianttasche. „Fünf Minuten reichen.“

Da klapperte hinter ihnen ein loses Brett. Perusina fuhr herum. Eine Gestalt sprang vom Steg, riss die Mütze an sich und verschwand zwischen den Büschen.
„Meine Mütze!“
Perusino raste los. Perusina und Franz hinterher. Doch als sie das Ende des Weges erreichten, war der Dieb fort. Im Schlamm blieb nur der Abdruck eines Stiefels zurück. Durch die Sohle verlief ein gebrochener Zickzackstreifen.
Franz schnupperte. „Zuckerwasser.“

Über ihren Köpfen summte es. Ein kleiner Kolibri schoss aus dem Gebüsch, blieb in der Luft stehen und funkelte grün und blau. Hinter ihm schwangen zwei lange Federn mit violetten, löffelförmigen Enden.
„Ein Spatelschwanzkolibri“, flüsterte Perusina. „Den gibt es nur in einem kleinen Gebiet Nordperus.“
Der Kolibri flog zwei Kreise, stürzte beinahe bis zum Boden und sauste in Richtung Nebelwald. Dann kam er zurück und wiederholte genau denselben Flug.
„Er hat den Dieb gesehen“, sagte Perusina.
„Oder er macht sich über meine Mütze lustig“, knurrte Perusino.

Der Kolibri schoss davon. Diesmal folgten sie ihm.
Der Weg führte steil hinauf. Wurzeln lagen wie Schlangen über dem Boden. Der Kolibri wartete an jeder Abzweigung und bewegte seine beiden langen Schwanzfedern wie Zeiger. Links. Rechts. Wieder links.
Dann hörten sie ein metallisches Klirren.
Perusina hob die Hand. Zwischen Farnen hing eine kleine Falle. Daneben klebten Tropfen süßen Zuckerwassers an einer Blüte.
„Jemand will Kolibris fangen“, sagte sie.

Ein Ast knackte. Eine Gestalt rannte oberhalb des Weges davon. Auf ihrem Rücken hing ein kleiner Käfig. Darüber war Perusinos rote Mütze gespannt.
„Da ist sie!“, rief Perusino.
Der Dieb sprang über einen umgestürzten Baum. Die drei jagten hinterher. Franz nahm eine Abkürzung durch das Gebüsch, kam auf der anderen Seite heraus und biss nach dem Riemen des Käfigs. Der Mann riss ihn hoch. Franz flog durch die Luft und landete kopfüber in einem Farn.
„Alles unter Kontrolle!“, rief er.

Der Spatelschwanzkolibri stürzte direkt vor das Gesicht des Diebes. Der schlug nach ihm, stolperte und ließ den Käfig fallen. Er rutschte über den nassen Boden, schlug gegen einen Stein und schoss auf eine tiefe Schlucht zu.
Perusino warf sich nach vorn. Seine Finger bekamen den Riemen zu fassen.
„Hilfe!“
Der Käfig hing bereits über dem Abgrund. Darin flatterte ein zweiter Kolibri panisch gegen die Gitterstäbe. Perusino rutschte Zentimeter für Zentimeter weiter.
Perusina packte seine Beine. Franz biss sich an Perusinas Tasche fest.
„Zieh!“, schrie Perusina.

Gemeinsam zerrten sie Perusino und den Käfig zurück. Währenddessen sprang der Dieb auf und wollte fliehen. Perusina riss die Pfeife von ihrem Rucksack und blies dreimal hinein. Der schrille Ton raste durch den Wald.
Kurz darauf antwortete eine zweite Pfeife. Zwei Waldschützer kamen den Weg herauf. Der Dieb sah sie, drehte um und trat genau in seine eigene Schlinge. Mit einem Ruck wurde er am Fuß hochgezogen und baumelte kopfüber zwischen den Ästen.
Perusino nahm seine Mütze vom Käfig. „Die gehört mir.“

Perusina öffnete vorsichtig die kleine Tür. Der gefangene Kolibri schoss heraus. Der Spatelschwanzkolibri flog ihm entgegen. Gemeinsam kreisten beide über den Kindern, bevor sie im Nebelwald verschwanden.
Die Waldschützer sammelten die Fallen ein und führten den Dieb ab. Perusino setzte seine Mütze auf.
Sein Finger fuhr durch ein Loch über dem rechten Ohr.
Langsam sah er Franz an.
„Das war bei der Rettungsaktion“, erklärte Franz.
„Du hast meine Mütze durchgebissen!“
Franz legte den Kopf schief. „Jetzt hörst du den Kolibri früher kommen.“
Über ihnen summte es.
Perusino hielt sofort beide Hände auf seine Mütze.
Was steckt in diesem Abenteuer?
Drei Spuren der Freunde
Sie erkennt, dass der Kolibri keine zufälligen Kreise zieht, sondern immer wieder dieselbe Richtung zeigt.
Er verfolgt seine Mütze und hält den abstürzenden Käfig fest, obwohl der Boden unter ihm wegrutscht.
Er riecht das Zuckerwasser, entdeckt die Spur der Falle und rettet mit einem beherzten Biss beinahe auch die Mütze.
Deine Entdeckeraufgabe
Erfinde einen Flugcode für den Spatelschwanzkolibri. Ein Kreis kann „links“ bedeuten, ein Sturzflug „Gefahr“ und zwei schnelle Kurven „Folgt mir“. Zeichne drei weitere Flugzeichen und schreibe ihre Bedeutung daneben.
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WhatsApp-Kanal öffnenFragen zu Bongará
Ist diese Geschichte wirklich passiert?
Nein. Der Mützendiebstahl und die Verfolgungsjagd sind erfunden. Bongará, die Laguna Pomacochas und der Spatelschwanzkolibri sind jedoch echt.
Was ist am Spatelschwanzkolibri so besonders?
Das Männchen besitzt zwei sehr lange Schwanzfedern mit breiten, spatelförmigen Enden. Diese auffällige Form ist weltweit einmalig.
Lebt der Kolibri nur in Bongará?
Sein Vorkommen ist auf ein kleines Gebiet Nordperus begrenzt. Rund um Pomacochas und Huembo in Bongará liegt eines seiner wichtigsten Schutzgebiete.
Warum darf man wilde Vögel nicht fangen?
Wildtiere gehören in ihren natürlichen Lebensraum. Das Fangen gefährdet die Tiere und kann bei seltenen Arten den gesamten Bestand weiter schwächen.
Was lernen Kinder in diesem Abenteuer?
Sie lernen, Spuren sorgfältig zu beobachten, Tiere nicht vorschnell zu verdächtigen und seltene Arten sowie ihre Lebensräume zu schützen.
Quellen und weiterführende Informationen
Die Sachinformationen zu Bongará, Pomacochas, Huembo und dem Spatelschwanzkolibri beruhen auf folgenden offiziellen Informationen:
- Ministerio del Ambiente: Colibrí maravilloso / Spatelschwanzkolibri
- MINCETUR: Laguna Pomacochas in Bongará
- SERNANP: Schutzgebiete in Bongará und gefährdete Tierarten
- PeruMagazin: Bongará in Nordperu