Tumbes
Auf dem Fischmarkt von Tumbes verschwinden nachts ganze Kisten. Riesige Fußspuren führen zum Río Tumbes und alle sind sicher: Das einzige Krokodil Perus ist der Täter.
Perusina entdeckt jedoch einen Fehler in den Abdrücken. Damit beginnt eine wilde Jagd über den Markt, den Fluss und durch die Wasserwege im grünen Norden Perus.

Der Fall der falschen Krokodilspuren
Ein Tumbes-Krimi über verschwundene Fischkisten, hölzerne Krokodilfüße und einen gewaltigen Verdächtigen, der seine Unschuld nicht selbst erklären kann.
Als Perusina, Perusino und Franz am frühen Morgen über den Fischmarkt von Tumbes liefen, war dort etwas nicht in Ordnung.
Niemand rief Preise. Niemand lachte. Selbst die Pelikane auf den Dächern warteten ungewöhnlich still.

Vor einem leeren Verkaufsstand stand Doña Maribel und zeigte auf den Boden. „Drei Kisten Fisch“, sagte sie. „Einfach verschwunden. Und das ist schon die dritte Nacht.“
Im feuchten Sand lagen riesige Abdrücke. Vier Zehen, breite Krallen, dazwischen eine Schleifspur.
„Ein Krokodil!“, rief ein Händler. „Das Krokodil aus dem Río Tumbes raubt unseren Markt aus!“
Franz betrachtete die leeren Fischkörbe. „Ein Tier mit Geschmack.“

Perusina kniete neben den Spuren. „Merkwürdig.“
„Was?“, fragte Perusino.
„Jeder Abdruck sieht genau gleich aus. Sogar dieser kleine Riss an der linken Kralle.“
Perusino stellte seinen Fuß daneben. Der Abdruck war fast dreimal so groß. Dabei trat er rückwärts in einen Eimer mit Fischwasser.
Platsch!
Franz rümpfte die Nase. „Jetzt haben wir Köder.“
Die Spuren führten vom Markt zum Fluss. Keine einzige Spur führte zurück. Zwischen zwei Abdrücken entdeckte Perusina einen kantigen Rand, als hätte jemand ein Brett in den Sand gedrückt.
Franz schnupperte daran. „Motoröl. Seil. Fisch. Und verschwitzte Socken.“
„Ein Krokodil trägt keine Socken“, sagte Perusina.
„Vielleicht ein höfliches“, meinte Perusino.

In der folgenden Nacht versteckten sie sich zwischen leeren Kisten. Perusina lag hinter einem Stapel Netze. Perusino hockte unter einem Tisch. Franz saß in einem Fischkorb und beschwerte sich leise über die Aussicht.
Kurz nach Mitternacht schlichen zwei Männer auf den Markt. An ihren Füßen trugen sie breite Holzplatten in Form von Krokodilpfoten. Hinter sich zogen sie einen Sack über den Boden. Die Schleifspur sah genau wie die Spur eines schweren Schwanzes aus.
„Da sind unsere Krokodile“, flüsterte Perusina.
Die Männer packten zwei volle Fischkisten und rannten zum Fluss.
„Stopp!“, rief Perusino und sprang hervor.

Einer der Diebe warf eine Kiste um. Fische rutschten über den Boden. Franz schoss aus seinem Korb, trat auf eine Makrele und sauste auf dem Bauch quer durch den Markt.
„Absicht!“, rief er im Vorbeigleiten.
Die Diebe erreichten ein Motorboot. Sekunden später raste es über den Río Tumbes.
Doña Maribels Bruder löste sein kleines Fischerboot vom Steg. „Einsteigen!“

Die Jagd führte flussabwärts. Das Boot der Diebe verschwand zwischen Schilf und Mangrovenarmen. Immer wieder tauchte sein Licht zwischen den Bäumen auf. Dann war es fort.
„Welche Abzweigung?“, fragte Perusino.
Franz hob die Nase. „Links! Dort riecht es nach Fisch und schlechten Socken.“
Sie bogen ab. Vor ihnen schwankten die Mangrovenwurzeln im schwarzen Wasser. Zwei Augen erschienen zwischen den Blättern. Dann tauchte eine lange, schmale Schnauze auf.
„Krokodil“, flüsterte Perusino.

Nur Augen und Nasenlöcher ragten aus dem Wasser. Der restliche Körper blieb unsichtbar.
Das Krokodil schwamm an ihnen vorbei. Zwischen seinen Zähnen klemmte ein Stück Seil.
„Das gehört zu den Fischkisten“, sagte Perusina.
Sie folgten ihm.
Hinter der nächsten Biegung lag eine zerbrochene Kiste im Wasser. Fische trieben zwischen den Wurzeln. Das Krokodil hatte nur ihrer Spur gefolgt.
Weiter vorn knatterte der Motor der Diebe. Als sie das Krokodil bemerkten, rissen sie ihr Boot herum. Dabei gerieten sie auf eine flache Sandbank. Der Motor heulte auf. Das Boot bewegte sich keinen Zentimeter.

Die Männer sprangen ins knietiefe Wasser und wollten fliehen. Doch ihre hölzernen Krokodilfüße blieben im Schlamm stecken. Erst stolperte der eine, dann der andere. Schließlich saßen beide fest und strampelten wie zwei umgekippte Käfer.
Kurz darauf trafen die Flusswächter ein. In dem Boot fanden sie die gestohlenen Fischkisten, das Schleifseil und vier geschnitzte Krokodilfüße.
Am nächsten Morgen wusste der ganze Markt, dass das Tumbes-Krokodil unschuldig war.
Doña Maribel schenkte den Freunden ein Frühstück. Für Perusina gab es Früchte, für Perusino ein großes Brot und für Franz eine Schüssel Wasser.
„Wasser?“, fragte Franz beleidigt.
„Du riechst bereits genug nach Fisch“, sagte Perusino.
Vom Fluss her tauchten zwei Augen aus dem Wasser auf.
Franz schob seine Schüssel vorsichtig zu Perusino.
„Du brauchst sie dringender“, sagte er.
Was steckt in diesem Abenteuer?
Drei Spuren der Freunde
Sie erkennt, dass natürliche Spuren nie vollkommen gleich aussehen und entdeckt den Rand der geschnitzten Holzpfoten.
Er springt zuerst aus dem Versteck und hält auch bei Fischwasser, Marktchaos und einer rasenden Bootsfahrt nicht an.
Seine Nase findet Motoröl, Seil und die Spur der Fischkisten. Nur der Duft der Socken hätte gern verschwinden dürfen.
Deine Entdeckeraufgabe
Zeichne drei echte Krokodilspuren, die sich leicht voneinander unterscheiden. Daneben zeichnest du dreimal denselben Abdruck einer Holzpfote. Markiere die wiederholten Kratzer und Kanten, an denen Perusina die Fälschung erkennen könnte.
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WhatsApp-Kanal öffnenFragen zu Tumbes
Ist diese Geschichte wirklich passiert?
Nein. Die Fischdiebe und ihre hölzernen Krokodilfüße sind erfunden. Tumbes, der Río Tumbes und das Tumbes-Krokodil sind jedoch echt.
Ist das Tumbes-Krokodil eine eigene Art?
Es gehört zur Art des Spitzkrokodils mit dem wissenschaftlichen Namen Crocodylus acutus. In Peru wird es wegen seines wichtigsten Lebensraums Tumbes-Krokodil genannt.
Ist es wirklich das einzige Krokodil Perus?
Ja. Das Spitzkrokodil ist die einzige natürlich vorkommende Krokodilart Perus. Sein peruanisches Vorkommen konzentriert sich auf den äußersten Norden.
Wie kann ein Krokodil unter Wasser sehen?
Es besitzt ein durchsichtiges zusätzliches Augenlid. Diese Nickhaut schützt das Auge und funktioniert unter Wasser ähnlich wie eine Taucherbrille.
Was lernen Kinder in diesem Abenteuer?
Sie lernen, Beweise zu vergleichen, Tiere nicht vorschnell zu beschuldigen und zu verstehen, warum bedrohte Arten und ihre Lebensräume geschützt werden müssen.
Quellen und weiterführende Informationen
Die Sachinformationen zu Tumbes, dem Krokodil und seinem Schutz beruhen auf folgenden offiziellen Informationen:
- Parque de Las Leyendas: Cocodrilo de Tumbes
- OSINFOR: El cocodrilo de Tumbes, guardián del agua
- FONDEPES: Centro Acuícola Tuna Carranza und Schutz des Tumbes-Krokodils
- SERNANP: Santuario Nacional Los Manglares de Tumbes
- PeruMagazin: Tumbes in Nordperu