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Kuélap

Teil 2 beginnt dort, wo Chachapoyas aufgehört hat: Die Steinperle führt Perusina, Perusino und Franz durch Nebel, Mauergänge und runde Hausgrundrisse in die alte Anlage von Kuélap.

Die drei sollen keinen Schatz finden. Sie müssen einen falschen Weg erkennen, bevor Kinder und Besucher an einen bröckelnden Mauerabschnitt geraten.

Perusina, Perusino und Franz vor der Steinmauer von Kuelap im Nebel

Die Steinperle von Kuélap

Ein zweiter Teil über Kuélap, die Chachapoyas-Kultur, gewaltige Mauern, runde Hausgrundrisse, Nebelgeister und einen Weg, der rechtzeitig geschützt werden muss.

Der Weg nach Kuélap begann mit Nebel.

Perusina, Perusino und Franz erreichen Kuelap mit der leuchtenden Steinperle
Aus dem Nebel taucht die gewaltige Mauer von Kuélap auf.

Nicht mit ein bisschen Dunst über den Bergen. Mit richtigem Nebel. Weiß, kalt und so dicht, dass Perusino zweimal gegen denselben Strauch lief und jedes Mal so tat, als hätte er ihn absichtlich überprüft.

"Stabil", sagte er beim zweiten Mal und rieb sich die Stirn.

Franz lief vor ihnen her. Sein rotes Halstuch war wieder trocken, aber die Steinperle in seiner Tasche klackerte bei jedem Schritt.

Klick.

Klick.

Klick.

"Sie macht das seit einer Stunde", murmelte Franz. "Entweder sie führt uns nach Kuélap oder sie zählt meine letzten Nerven."

Perusina blieb stehen. Vor ihnen tauchte eine Mauer aus dem Nebel auf. Hoch. Dunkel. Gewaltig. Stein auf Stein, als hätte jemand einen Berg gezähmt und daraus eine Festung gemacht.

Kuélap.

Perusino wurde leise. Sogar Franz sagte nichts.

Perusino steckt mit seinem Rucksack im engen Mauergang von Kuelap fest
Der Eingang ist enger, als Perusino gedacht hat.

Dann wurde die Steinperle warm.

So warm, dass Franz erschrocken hüpfte. "Aua! Mein Abenteuer hat mich gebissen!"

Perusina nahm die Perle vorsichtig aus seiner Tasche. Auf ihrer Oberfläche glänzten drei kleine Kreise und eine Linie.

"Wie auf deinem Halstuch", sagte sie.

"Ja, ich erinnere mich an diese sehr persönliche Belästigung."

Am Eingang wehte der Nebel zur Seite. Für einen Moment sahen sie einen schmalen Mauergang, der zwischen hohen Steinwänden nach innen führte.

Perusino grinste. "Da passen wir durch."

Zwei Minuten später steckte er fest.

Nicht schlimm. Aber deutlich.

Sein Rucksack hatte sich zwischen den Steinen verklemmt. Vorn sah man Perusinos Kopf. Hinten sah man seine Schuhe. Dazwischen hörte man empörtes Atmen.

"Ich bin nicht fest", sagte er. "Ich untersuche nur beide Wände gleichzeitig."

Franz setzte sich vor ihn. "Sehr gründlich."

Perusina seufzte, löste den Rucksackriemen und zog. Perusino ploppte aus dem Gang wie ein Korken aus einer Flasche und landete auf dem Bauch.

Die Steinperle rollt durch einen runden Hausgrundriss in Kuelap
Die runden Hausgrundrisse werden zu einer Karte.

Dabei fiel die Steinperle aus Perusinas Hand.

Sie rollte.

Erst langsam.

Dann schneller.

"Nicht!", rief Perusina.

Die Perle kullerte über den Boden, sprang über eine Wurzel, verschwand in einem runden Steinkreis und drehte dort eine perfekte Runde.

Perusino rappelte sich auf. "Das war Absicht. Von der Perle. Nicht von mir."

Der runde Steinkreis war kein Brunnen. Kein Spielplatz. Es war der Grundriss eines alten Hauses. Rund, aus Steinen gelegt, offen zum Himmel.

Die Perle rollte am Rand entlang.

Einmal.

Zweimal.

Dreimal.

Dann blieb sie an einer Stelle liegen und leuchtete schwach.

Perusina kniete sich hin. "Die Kreise auf der Perle sind runde Häuser."

Franz sah sich um. Überall im Nebel tauchten weitere runde Grundrisse auf. Einer hinter dem anderen. Wie Punkte auf einer Karte.

"Dann ist die Linie die Mauer", sagte Perusino.

Die Freunde entdecken zwei Kinder am falschen Pfad neben einer Mauer in Kuelap
Kinderstimmen führen die Freunde zu einem gefährlichen Abzweig.

Da hörten sie Kinderstimmen.

Nicht aus der Nähe.

Von weiter oben.

"Hier lang!"

"Nein, da geht es schneller!"

Dann ein Poltern.

Perusina sprang auf. "Da ist jemand."

Sie rannten los.

Der Nebel machte Kuélap größer, als es war. Mauern tauchten auf und verschwanden wieder. Runde Hausreste lagen wie graue Räder im Gras. Lamas hätten hier nicht überrascht. Geister auch nicht.

Franz rannte voraus, die Nase am Boden. "Ich rieche nasse Schuhe, Angst und Maiskuchen."

"Konzentrier dich auf Angst", rief Perusina.

"Ich kann beides!"

Sie erreichten einen alten Weg zwischen zwei Mauerresten. Dort standen zwei Kinder aus einem Dorf, vielleicht neun oder zehn Jahre alt. Ein Junge hielt einen Stock. Ein Mädchen trug einen Korb. Vor ihnen führte ein schmaler Pfad an einer Steinwand entlang.

Ein Stein löste sich.

Dann noch einer.

Perusina, Perusino und Franz retten Kinder vor einem broeckelnden Pfad in Kuelap
Der kurze Weg ist der gefährliche Weg.

Perusino riss die Augen auf. "Weg da!"

Er stürmte los, rutschte auf feuchtem Gras aus und schlitterte direkt auf die Kinder zu. Das Mädchen sprang zurück. Der Junge stolperte.

Franz schoss unter Perusino hindurch, packte den Korbhenkel mit den Zähnen und zog. Maiskuchen flogen in die Luft.

"Nicht die Kuchen!", rief Perusino im Rutschen.

Perusina erreichte den Jungen, zog ihn vom Rand weg, genau als ein größerer Stein auf den Pfad krachte.

Stille.

Dann atmeten alle gleichzeitig.

Das Mädchen sah Perusina an. "Wir wollten nur den kurzen Weg nehmen."

Perusina zeigte auf die Mauer. "Der kurze Weg kann der falsche sein."

Da wurde die Steinperle in ihrer Hand heiß.

Nicht warm.

Heiß.

Sie fiel Perusina fast aus den Fingern und rollte von selbst weiter. Die Nebelgeister erschienen jetzt nicht als große Figuren. Nur als Hände aus Dunst an den Steinen. Sie zeigten auf runde Hausgrundrisse, auf Mauerkanten, auf Stellen, an denen Gras den alten Weg verdeckte.

Franz bindet sein rotes Halstuch als Warnzeichen am sicheren Weg in Kuelap fest
Franz' Halstuch wird zum Warnzeichen am richtigen Weg.

"Sie zeigen den richtigen Weg", sagte Perusina.

Perusino sah zurück zu dem eingestürzten Pfad. "Dann zeigen sie ihn besser schnell."

Denn jetzt hörten sie Stimmen von unten. Besucher kamen herauf. Wenn sie falsch abbogen, würden sie direkt zu der bröckelnden Stelle laufen.

Perusina handelte sofort. "Wir brauchen ein Zeichen."

"Ich habe eins!", rief Franz.

Er zog sein rotes Halstuch ab.

"Franz, nein!", sagte Perusino. "Dein Halstuch ist fast eine Persönlichkeit!"

Franz band es an einen niedrigen Steinpfosten neben dem sicheren Weg. Die drei Kreise und die Mauerlinie waren noch schwach darauf zu sehen.

"Dann soll es heute arbeiten", sagte Franz.

Perusino stellte sich auf die andere Seite und winkte den Besuchern. "Hier lang! Nicht da! Da fällt der Berg auseinander!"

"Etwas ruhiger", sagte Perusina.

"Hier lang!", rief Perusino ruhiger. "Der Berg ist nur schlecht gelaunt!"

Die Kinder halfen mit. Sie legten kleine Steine als Randmarkierung. Franz schnüffelte die sichere Spur ab. Perusina folgte der Steinperle bis zu einem runden Hausgrundriss, in dessen Mitte eine kleine Vertiefung lag.

Genau so groß wie die Perle.

Perusina setzt die Steinperle in Kuelap ein und der Nebel zieht sich zurueck
Die Steinperle zeigt den sicheren Weg durch Kuélap.

Sie legte sie hinein.

Für einen Atemzug hörte alles auf.

Dann zog sich der Nebel zurück.

Nicht ganz. Aber genug.

Die Mauer von Kuélap wurde sichtbar. Die runden Grundrisse lagen nun klar vor ihnen. Der falsche Pfad verschwand im Nebel, der richtige Weg lag hell zwischen Steinen und Gras.

Die Nebelgeister standen auf der Mauer.

Still.

Dann neigten sie die Köpfe.

Perusino flüsterte: "Haben wir gerade eine Prüfung bestanden?"

Franz sah zu seinem Halstuch, das am Steinpfosten flatterte. "Mein Halstuch hat bestanden. Wir waren nur dabei."

Das Mädchen mit dem Korb hob einen Maiskuchen auf und reichte ihn Franz.

"Für den Retter."

Franz nahm ihn sehr würdevoll.

Perusina blickte über die Mauern von Kuélap. "Jetzt verstehe ich. Die Nebelgeister wollten keinen Schatz schützen."

"Sondern den Weg", sagte Perusino.

"Und die Menschen, die ihn benutzen", sagte Perusina.

Hinter ihnen klackerte etwas.

Die Steinperle lag wieder neben Franz' Pfote.

Nur war das Zeichen darauf verschwunden.

Franz hob sie vorsichtig hoch. "Heißt das, sie ist leer?"

Aus dem Nebel kam ein leises Rauschen. Fast wie ein Lachen.

Dann erschien auf der Perle ein neuer kleiner Punkt.

Weiter entfernt.

Weiter oben.

Perusino stöhnte. "Oh nein."

Franz kaute seinen Maiskuchen.

"Ich sage es nur einmal: Wenn diese Perle wieder losrollt, soll sie wenigstens vorher Mittagspause machen."

Teil 2 ist gelöst: Die Steinperle war kein Schatzschlüssel. Sie half, den sicheren Weg durch Kuélap zu erkennen und einen gefährlichen Abzweig rechtzeitig zu sperren.

Was steckt in diesem Abenteuer?

Kuélap ist eine große archäologische Anlage der Chachapoyas-Kultur im Norden Perus, bekannt für ihre mächtigen Steinmauern.
Viele alte Hausgrundrisse in Kuélap sind rund. In der Geschichte werden sie zu Hinweisen auf einer lebendigen Karte.
Alte Orte müssen vorsichtig besucht und geschützt werden. Wege, Mauern und Steine können empfindlich oder gefährlich sein.

Drei Spuren der Freunde

Perusina liest die Anlage

Sie erkennt, dass Kreise und Mauerlinie zu den runden Häusern und Mauern von Kuélap gehören.

Perusino macht Tempo

Er steckt fest, rutscht los und warnt Besucher laut genug, damit niemand den falschen Weg nimmt.

Franz opfert sein Halstuch

Er macht aus seinem Halstuch ein Warnzeichen und bekommt dafür einen Maiskuchen. Das ist sehr wichtig.

Deine Entdeckeraufgabe

Zeichne Kuélap als Rätselkarte: hohe Mauer, runde Häuser, sicherer Weg, falscher Weg, Steinperle und Franz' Halstuch als Warnzeichen. Markiere, warum der kurze Weg gefährlich war.

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Fragen zu Kuélap

Ist diese Seite ein Reiseführer?

Nein. Die Seite erzählt den zweiten Teil eines Kinderabenteuers. Kuélap wird über Mauern, runde Häuser, Nebel und eine Rettungsaktion erlebbar.

Warum gehört Kuélap zu Chachapoyas?

Kuélap ist eng mit der Chachapoyas-Kultur verbunden. Darum führt der erste Teil aus Chachapoyas direkt zu diesem zweiten Teil.

Was ist an Kuélap besonders?

Besonders sind die hohen Steinmauern, die Lage in den Bergen und die vielen runden Hausgrundrisse innerhalb der Anlage.

Sind die Nebelgeister echt?

Nein. Sie sind ein Erzählelement. Sie machen sichtbar, dass alte Orte bewacht, verstanden und geschützt werden müssen.

Was lernen Kinder in diesem Abenteuer?

Sie lernen, dass archäologische Orte keine Spielplätze sind. Wer alte Wege und Mauern besucht, muss aufmerksam bleiben und Schutzregeln beachten.

Quellen und weiterführende Informationen

Die Sachinformationen der Lernabschnitte orientieren sich an allgemeinen Informationen zu Kuélap und der Chachapoyas-Kultur:

  • Allgemeine Informationen zu Kuélap und seiner Lage in der Region Amazonas
  • Allgemeine Informationen zu den Mauern und runden Hausgrundrissen von Kuélap
  • Allgemeine Informationen zur Chachapoyas-Kultur in Nordperu
  • Allgemeine Hinweise zum Schutz archäologischer Stätten und sicherem Verhalten auf alten Wegen