Gas aus Piura gewinnt für Nordperu an Bedeutung. Steigende Förderung, große Reserven und neue Infrastrukturprojekte könnten die Region Piura zu einem wichtigen Energiezentrum im Norden Perus machen. Dabei geht es nicht nur um die Versorgung von Haushalten. Das Erdgas könnte künftig Kraftwerke und Industrieunternehmen in mehreren Regionen Nordperus versorgen. Zusätzlich soll in Paita eine petrochemische Industrie entstehen.
Gas aus Piura: 145 Milliarden Kubikfuß nachgewiesen
Olympic Perú verfügt nach eigenen Angaben über 145 Milliarden Kubikfuß nachgewiesene Erdgasreserven in Piura. Die Produktion wurde in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. 2024 förderte Olympic rund 25 Millionen Kubikfuß täglich. Im Jahr 2025 waren es bereits 40 Millionen. Für 2026 werden rund 50 Millionen Kubikfuß täglich angestrebt.
Das Unternehmen betreibt außerdem mehr als 100 Kilometer eigener Leitungen. Rund 60 Prozent des in Piura verbrauchten Erdgases stammen nach Unternehmensangaben von Olympic. Die 145 Milliarden Kubikfuß betreffen allerdings nur die nachgewiesenen Reserven des Unternehmens.
Gas Energy Perú beziffert das gesamte mögliche Gaspotenzial Piuras auf rund 5,5 Billionen Kubikfuß. Diese Zahl darf nicht mit nachgewiesenen und wirtschaftlich förderbaren Reserven gleichgesetzt werden. Dafür sind weitere Explorationen und Bewertungen notwendig.
Gasleitung von Piura nach Lambayeque vorgeschlagen
Ein besonders wichtiges Projekt ist ein vorgeschlagener Gaskorridor entlang der Küste Nordperus. Gas Energy Perú hält eine etwa 250 Kilometer lange Gasleitung von Piura nach Eten in Lambayeque für möglich. Die geplante Strecke würde über Paita, Sechura und Bayóvar führen.
Von dort könnten Chiclayo und weitere Industriegebiete versorgt werden. Langfristig wird auch eine Verlängerung Richtung Trujillo und Chimbote diskutiert. Noch handelt es sich nicht um ein beschlossenes Bauprojekt. Finanzierung, Genehmigungen und ein verbindlicher Zeitplan fehlen bislang.
Zwei Kraftwerke könnten große Gasmengen abnehmen
Für eine solche Gasleitung werden Großverbraucher benötigt. Eine wichtige Rolle könnten die beiden Kraftwerke Eten und Recka spielen. Die Anlagen besitzen Leistungen von rund 180 beziehungsweise 190 Megawatt und können mit Gas betrieben werden.
Nach Berechnungen von Gas Energy könnten beide Kraftwerke gemeinsam etwa 80 Millionen Kubikfuß Gas täglich benötigen. Weitere Abnehmer könnten Industrieunternehmen und Betriebe der Zuckerindustrie in Lambayeque werden. Damit gäbe es einen deutlich größeren Markt für Gas aus Piura außerhalb der Region.
Paita soll Petrochemiestandort werden
Ein zweites wichtiges Projekt betrifft direkt Paita. Das peruanische Ministerium für Energie und Bergbau hat dort 2026 eine Zone für einen dezentralen petrochemischen Komplex festgelegt. Grundlage ist die Ministerialresolution Nr. 278-2026-MINEM/DM. Die ausgewiesene Fläche umfasst rund 10.979 Hektar.
Das Ministerium sieht dort ein Investitionspotenzial von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Die Festlegung bedeutet allerdings noch nicht, dass der Industriekomplex bereits gebaut wird. Sie schafft zunächst die räumlichen und rechtlichen Voraussetzungen für entsprechende Investitionen.
Düngemittel könnten in Piura produziert werden
Besonders interessant ist die mögliche Herstellung von Düngemitteln. Erdgas ist ein wichtiger Ausgangsstoff für die Produktion von Ammoniak und daraus hergestellten Stickstoffdüngern. Eine petrochemische Anlage könnte deshalb einen Teil des Gases aus Piura direkt weiterverarbeiten.
Das wäre wirtschaftlich interessanter als eine reine Förderung des Rohstoffs. Verarbeitung, Industriearbeitsplätze und ein größerer Teil der Wertschöpfung würden in der Region bleiben. Auch der Hafen von Paita wäre für einen solchen Industriestandort wichtig. Rohstoffe und Fertigprodukte könnten von dort über den Seeweg transportiert werden.
LNG-Anlage bei Paita wird untersucht
Zusätzlich gibt es ein weiteres Gasprojekt in der Provinz Paita. Das Ministerium für Energie und Bergbau erteilte PURE LNG S.A.C. im Januar 2026 eine Genehmigung für technische Tests einer geplanten Erdgas-Verflüssigungsanlage.
Als Standort ist El Tablazo bei Colán an der Verbindung zwischen Paita und Sullana vorgesehen. Eine kommerzielle Anlage ist damit noch nicht genehmigt. Zunächst wird die technische Machbarkeit des Projekts untersucht.
Was bringen die Gasprojekte Piura?
Für Piura könnten die Projekte vor allem neue Absatzmöglichkeiten für das vorhandene Erdgas schaffen. Eine höhere und langfristig gesicherte Nachfrage würde weitere Investitionen in Exploration und Förderung attraktiver machen. Gleichzeitig könnte eine Pipeline Piura zum Gaslieferanten für andere Regionen Nordperus machen.
Noch wichtiger wäre die Verarbeitung innerhalb Piuras. Eine petrochemische Industrie in Paita könnte Investitionen und zusätzliche Industriearbeitsplätze schaffen. Für die Region Piura wäre entscheidend, dass nicht nur Erdgas gefördert und weitergeleitet wird. Ein größerer wirtschaftlicher Nutzen entsteht, wenn Verarbeitung und Wertschöpfung ebenfalls in der Region stattfinden.
Was ist bereits beschlossen?
In Piura wird bereits Erdgas gefördert und über bestehende Netze verteilt. Ebenfalls offiziell ist die Ausweisung von Paita als Zone für die Entwicklung eines petrochemischen Komplexes. Bei Colán wird zudem die technische Machbarkeit einer LNG-Anlage untersucht.
Anders sieht es bei der geplanten Gasleitung aus. Die rund 250 Kilometer lange Verbindung von Piura nach Eten ist bislang ein Vorschlag und kein beschlossenes Bauprojekt. Finanzierung, Genehmigungen und Baubeginn stehen noch nicht fest.
Piura besitzt damit große Erdgasreserven und mehrere konkrete Entwicklungsmöglichkeiten. Ob daraus ein größeres Gas- und Industriezentrum entsteht, hängt vor allem von Investitionen, neuen Abnehmern und dem Ausbau der Infrastruktur ab.
Häufige Fragen zu Gas aus Piura
Wie viel Erdgas besitzt Piura?
Olympic Perú meldet 145 Milliarden Kubikfuß nachgewiesene Reserven. Gas Energy Perú beziffert das gesamte mögliche Potenzial der Region deutlich höher.
Wie viel Gas will Olympic 2026 fördern?
Olympic strebt für 2026 eine Produktion von rund 50 Millionen Kubikfuß Erdgas täglich an.
Wird die Gasleitung nach Lambayeque bereits gebaut?
Nein. Die rund 250 Kilometer lange Verbindung von Piura nach Eten ist bislang ein Vorschlag von Gas Energy Perú.
Was ist in Paita geplant?
Paita wurde als Zone für einen dezentralen petrochemischen Komplex ausgewiesen. Zusätzlich wird bei Colán die Machbarkeit einer LNG-Anlage untersucht.
Quellen und Bildnachweis
Perú Energía, 25. August 2026: Angaben von Olympic Perú zu 145 BCF Reserven, Produktion und Infrastruktur in Piura.
El Comercio, 10. September 2026: „Masificación de gas en el norte: Gasoducto entre Piura y Chiclayo es posible, señala Gas Energy“.
Ministerio de Energía y Minas / Diario Oficial El Peruano: Resolución Ministerial Nr. 278-2026-MINEM/DM zur petrochemischen Entwicklungszone Paita.
Ministerio de Energía y Minas: Resolución Directoral Nr. 006-2026-MINEM-DGH zur geplanten LNG-Anlage.
Bildquelle Hero: Gestión / Contugas, Aufnahme von Arbeiten an einer Erdgasleitung.