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Peru und Indien – Handel und Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen

Indien überholt die USA: Perus Handel mit Indien wächst rasant

Indien ist 2026 zum zweitgrößten Absatzmarkt für peruanische Exporte aufgestiegen. Der Handel wächst um 151,7 Prozent, während das Handelsabkommen in die Schlussphase geht.

Peru und Indien stehen vor einer deutlichen Vertiefung ihrer Wirtschaftsbeziehungen. Indien ist 2026 zum zweitgrößten Absatzmarkt für peruanische Exporte aufgestiegen. Gleichzeitig befinden sich die Verhandlungen über ein Handelsabkommen zwischen beiden Ländern in ihrer entscheidenden Phase.

Perus Außenhandel erlebt 2026 einen außergewöhnlichen Aufschwung. Besonders auffällig entwickelt sich dabei der Handel mit Indien. Zwischen Januar und Juli 2026 exportierte Peru Waren im Wert von 6,184 Milliarden US-Dollar nach Indien. Gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres entspricht das einem Anstieg von 151,7 Prozent.

Damit erreichten die peruanischen Exporte nach Indien einen höheren Wert als die Lieferungen in die Vereinigten Staaten. Diese lagen im gleichen Zeitraum bei 5,971 Milliarden US-Dollar. China bleibt mit peruanischen Importen im Wert von 24,340 Milliarden US-Dollar allerdings mit großem Abstand wichtigster Absatzmarkt des Landes.

Peru und Indien verhandeln über ein Handelsabkommen

Parallel zum stark wachsenden Handel befinden sich Peru und Indien in der Schlussphase ihrer Verhandlungen über ein Handelsabkommen. Perus Minister für Außenhandel und Tourismus, Rogers Valencia, erklärte am 11. September, Peru habe Indien einen neuen Gegenvorschlag übermittelt. Nun wartet die peruanische Regierung auf die Antwort aus Neu-Delhi.

Die Verhandlungen sind keineswegs neu. Bereits 2017 begannen beide Länder mit Gesprächen über ein Handelsabkommen. Nach Angaben des indischen Handelsministeriums waren bis Ende 2025 neun offizielle Verhandlungsrunden durchgeführt worden. Die neunte Runde fand vom 3. bis 5. November 2025 in Lima statt.

Valencia hofft nun, die noch offenen Fragen klären zu können. Nach seiner Einschätzung könnte das Abkommen 2027 unterzeichnet werden.

Peru baut seine Handelsbeziehungen mit Asien bereits seit Jahren aus. Erst am 1. September 2026 trat beispielsweise das Freihandelsabkommen zwischen Peru und Hongkong in Kraft. Ein Abkommen mit Indien würde diese Strategie um einen wesentlich größeren Absatzmarkt erweitern.

Gold steckt hinter dem enormen Wachstum

Die Steigerung um mehr als 150 Prozent sieht zunächst nach einer breiten Expansion des Handels zwischen Peru und Indien aus. Die Zahlen müssen jedoch genauer betrachtet werden. Ein wesentlicher Teil des Wachstums geht auf die stark gestiegenen peruanischen Goldexporte zurück.

Bereits im Januar 2026 lieferte Peru Gold im Wert von 819 Millionen US-Dollar nach Indien. Das waren 359,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Insgesamt erreichten Perus Exporte nach Indien allein im Januar bereits 910 Millionen US-Dollar. Neben Gold lieferte Peru unter anderem Kupfer, Zinn und Silberprodukte nach Indien.

Gold und Kupfer gehören zu den Rohstoffen, welche die peruanische Wirtschaft seit Langem prägen. Viele Lagerstätten befinden sich in den Anden Perus, wo Bergbau gleichzeitig wirtschaftliche Chancen sowie Konflikte um Wasser, Flächen und Umwelt mit sich bringt.

Indien besitzt einen enormen Bedarf an Gold. Das Edelmetall spielt dort sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich eine wichtige Rolle. Der große indische Markt macht das Land deshalb für peruanische Produzenten besonders interessant.

Perus gesamter Exportsektor wächst kräftig

Der Indien-Boom ist Teil einer insgesamt starken Entwicklung des peruanischen Außenhandels. Von Januar bis Juli 2026 exportierte Peru Waren im Gesamtwert von 63,521 Milliarden US-Dollar. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Wachstum von 33 Prozent.

Besonders stark entwickelte sich der Bergbausektor. Mineralexporte erreichten einen Wert von 46,284 Milliarden US-Dollar. Das waren 49,2 Prozent mehr als im entsprechenden Zeitraum 2025. Allein die Kupferexporte brachten Peru 21,607 Milliarden US-Dollar ein. Beim Gold waren es 16,394 Milliarden US-Dollar.

Auch die hohen internationalen Preise für Kupfer und Gold tragen erheblich zu diesen Zahlen bei. Peru profitiert deshalb momentan sowohl von höheren Exportmengen als auch von günstigen Rohstoffpreisen.

Andere Exportbereiche entwickeln sich ebenfalls positiv. Ein Beispiel ist peruanischer Kaffee, dessen Exporte im ersten Halbjahr 2026 einen Wert von 325 Millionen US-Dollar erreichten. Solche Produkte könnten langfristig helfen, Perus Außenhandel breiter aufzustellen.

Die wichtigsten Absatzmärkte Perus

Die Entwicklung verändert gleichzeitig die Rangfolge wichtiger Handelspartner. Von Januar bis Juli 2026 gingen peruanische Waren im Wert von 24,340 Milliarden US-Dollar nach China. Indien folgte mit 6,184 Milliarden US-Dollar vor den USA mit 5,971 Milliarden US-Dollar.

Die Europäische Union kam auf 5,618 Milliarden US-Dollar, Kanada auf 3,277 Milliarden und die Schweiz auf 2,323 Milliarden US-Dollar. Nach Australien exportierte Peru Waren im Wert von 1,530 Milliarden US-Dollar.

Besonders außergewöhnlich ist die Wachstumsrate Indiens. Während Perus Exporte in die USA um 20,9 Prozent zunahmen, stiegen die Lieferungen nach Indien um 151,7 Prozent. Indien hat dadurch innerhalb kurzer Zeit erheblich an Bedeutung für Peru gewonnen.

Was könnte ein Handelsabkommen verändern?

Ein Handelsabkommen könnte die Beziehungen auf eine breitere wirtschaftliche Grundlage stellen. Bislang wird der peruanische Export nach Indien stark von Rohstoffen bestimmt. Indien wiederum sieht in Lateinamerika Absatzmöglichkeiten für eine wesentlich größere Produktpalette.

Das indische Handelsministerium nennt unter anderem Pharmazeutika, chemische Produkte, Maschinen, elektrische Ausrüstung, Fahrzeuge, Elektronik und Software als Bereiche mit bisher ungenutztem Exportpotenzial nach Lateinamerika. Bei seinen Importen aus der Region interessieren Indien besonders Gold, Kupfer, Erze, Rohöl, Pflanzenöle und weitere Rohstoffe.

Damit ergänzen sich Teile der Wirtschaftsstrukturen beider Länder. Für Peru besteht allerdings die Herausforderung darin, nicht lediglich Rohstoffe nach Indien zu verkaufen und im Gegenzug höherwertige Industrieprodukte zu importieren.

Wie stark Peru inzwischen auf den Handel mit Asien setzt, zeigt auch die EXPO CHINA 2026 in Lima. Die internationale Import- und Exportmesse bringt im November chinesische Unternehmen mit peruanischen und lateinamerikanischen Geschäftspartnern zusammen.

Kann Indien Perus Abhängigkeit von China reduzieren?

Diese Frage dürfte langfristig wichtiger werden als die aktuelle Rangliste der Exportmärkte. China bleibt für Peru wirtschaftlich überragend. Allein zwischen Januar und Juli 2026 gingen Waren für mehr als 24 Milliarden US-Dollar dorthin. Vor allem der peruanische Bergbau ist eng mit der chinesischen Nachfrage verbunden.

Indien kann China kurzfristig nicht ersetzen. Mit rund 1,4 Milliarden Einwohnern besitzt das Land jedoch einen riesigen Binnenmarkt und einen steigenden Rohstoffbedarf. Ein wachsender indischer Absatzmarkt könnte Peru deshalb helfen, seine Exportziele stärker zu diversifizieren.

Auch das neue Freihandelsabkommen zwischen Peru und Hongkong gehört zu dieser breiteren Ausrichtung auf den asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraum. Indien wäre allerdings aufgrund seiner Marktgröße von einer anderen Größenordnung.

Das würde wirtschaftliche Risiken reduzieren, die entstehen, wenn ein großer Teil der Rohstoffexporte von wenigen Ländern abhängig ist. Indien wäre damit nicht unbedingt ein Ersatz für China, sondern ein zusätzlicher großer Absatzmarkt.

Der Boom hat einen entscheidenden Haken

Die aktuellen Rekordzahlen sollten trotzdem nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein erheblicher Teil des Wachstums aus dem Bergbau stammt. Von Perus 63,521 Milliarden US-Dollar Gesamtexporten entfielen in den ersten sieben Monaten 2026 rund 46,3 Milliarden auf Mineralien. Das entspricht fast drei Vierteln des gesamten Exportwertes.

Der starke Handel mit Indien ist ebenfalls wesentlich vom Gold geprägt. Damit ist noch nicht bewiesen, dass zwischen beiden Ländern bereits ein breit aufgestellter wirtschaftlicher Austausch entstanden ist.

Genau hier könnte das geplante Handelsabkommen entscheidend werden. Gelingt es, zusätzlich Agrarprodukte, verarbeitete Lebensmittel und andere peruanische Waren im indischen Markt zu etablieren, würde die wirtschaftliche Bedeutung der Partnerschaft wesentlich größer.

Peru erwartet 2026 einen neuen Exportrekord

Die peruanische Regierung rechnet inzwischen damit, dass die gesamten Exporte des Landes 2026 erstmals mehr als 100 Milliarden US-Dollar erreichen könnten. 2025 waren es etwa 91 Milliarden US-Dollar. Indien trägt erheblich zu diesem Wachstum bei.

Gleichzeitig zeigen die Zahlen, wie schnell sich Perus internationale Handelsbeziehungen verändern können. Noch ist China mit großem Abstand der wichtigste Absatzmarkt. Die USA bleiben besonders für peruanische Agrarprodukte von großer Bedeutung. Doch Indien ist innerhalb kurzer Zeit zu einem wichtigen wirtschaftlichen Partner geworden.

Sollte das geplante Handelsabkommen 2027 tatsächlich unterzeichnet werden, könnte daraus eine langfristige Verschiebung entstehen. Entscheidend wird sein, ob Peru seinen Erfolg über Gold und andere Rohstoffe hinaus ausbauen kann.

Häufige Fragen zum Handel zwischen Peru und Indien

Wie hoch waren Perus Exporte nach Indien 2026?

Von Januar bis Juli 2026 exportierte Peru Waren im Wert von 6,184 Milliarden US-Dollar nach Indien. Das waren 151,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Warum sind die Exporte nach Indien so stark gestiegen?

Ein wesentlicher Treiber sind stark gestiegene Goldlieferungen. Auch Kupfer, Zinn und Silberprodukte gehören zu den peruanischen Exporten nach Indien.

Wann könnte das Handelsabkommen unterzeichnet werden?

Perus Handelsminister Rogers Valencia erwartet, dass das Abkommen bei erfolgreichem Abschluss der Verhandlungen 2027 unterzeichnet werden könnte.

Hat Indien die USA als Exportmarkt für Peru überholt?

Ja. Von Januar bis Juli 2026 lagen die peruanischen Exporte nach Indien mit 6,184 Milliarden US-Dollar über den Exporten in die USA mit 5,971 Milliarden US-Dollar.

Ist Indien jetzt Perus wichtigster Handelspartner?

Nein. China bleibt mit großem Abstand der wichtigste Absatzmarkt. Indien ist 2026 jedoch zum zweitgrößten Zielmarkt peruanischer Exporte aufgestiegen.

Quellen und Bildnachweis

Reuters, 11. September 2026: „Peru awaits India response as trade talks near end, minister says“.
Ministerio de Comercio Exterior y Turismo / El Peruano, September 2026: Angaben zu Perus Exportentwicklung Januar bis Juli 2026.
Agencia Andina, September 2026: Angaben zu Exporten, Kupfer und Gold.
Ministry of Commerce & Industry, Government of India: Angaben zu den Verhandlungen und Handelsbeziehungen.
Bildquelle Hero: La República, 26. März 2025, „TLC Perú-India: mañana se retoman negociaciones con primera reunión bilateral“.