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Ausgrabungen der Begräbnisplattform in Chan Chan

Spektakulärer Fund in Chan Chan: 38 Bestattungen der Chimú-Elite entdeckt

Archäologen entdecken in Chan Chan eine über 600 Jahre alte Begräbnisanlage mit 38 Bestattungen und wertvollen Grabbeigaben der Chimú.

Archäologen haben in Chan Chan bei Trujillo eine außergewöhnlich gut erhaltene Begräbnisanlage mit den Überresten von 38 Menschen freigelegt. Die mehr als 600 Jahre alte Anlage blieb weitgehend von Plünderungen verschont. Grabbeigaben aus Metall, Muscheln und Keramik sowie ungewöhnliche Bestattungsformen liefern neue Hinweise auf die Elite der Chimú und die spätere Inka-Zeit.

Das peruanische Kulturministerium stellte den Fund am 8. September 2026 vor. Die Begräbnisplattform befindet sich im ummauerten Komplex Utzh An, der früher als Palacio Gran Chimú bezeichnet wurde. Chan Chan liegt westlich von Trujillo in der Region La Libertad. Der Erhaltungszustand macht den Fund besonders wertvoll, denn zahlreiche hochrangige Chimú-Gräber wurden bereits in früheren Jahrhunderten geplündert. In Utzh An blieben dagegen menschliche Überreste, Grabbeigaben und deren ursprüngliche räumliche Anordnung erhalten.

38 Menschen wurden in der Anlage bestattet

Insgesamt wurden die Überreste von 38 Personen festgestellt. Die Bestatteten gehörten nach der bisherigen Einschätzung der Forscher überwiegend zu gesellschaftlich hochgestellten Gruppen. Die genaue Identität der Personen ist bislang nicht bekannt. Anthropologische Untersuchungen sollen weitere Informationen über Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand und mögliche verwandtschaftliche Beziehungen liefern. Auch die Todesursachen sind noch Gegenstand der Untersuchungen.

Für die Archäologen ist besonders wichtig, dass die Fundzusammenhänge weitgehend erhalten geblieben sind. Dadurch können sie untersuchen, welche Gegenstände einzelnen Personen zugeordnet waren und wie die Bestattungen innerhalb der Anlage organisiert wurden.

Zentrale Grabkammer liegt fünf Meter tief

Die Begräbnisanlage besteht aus einer zentralen Kammer und zwei seitlichen Bereichen. Die Hauptkammer ist etwa 1,20 Meter breit und fünf Meter tief. Eine Treppe führt ungefähr 2,5 Meter nach unten in den Bestattungsbereich.

In dieser Kammer fanden die Archäologen eine besonders hervorgehobene Person. Die Lage innerhalb der Anlage und die zahlreichen Grabbeigaben sprechen für einen hohen gesellschaftlichen Rang. Bei der Bestattung lagen Objekte aus Metall und Muscheln, die innerhalb der Chimú-Gesellschaft einen hohen wirtschaftlichen und symbolischen Wert besaßen.

Waffen und metallene Embleme entdeckt

Eine der Seitenkammern enthielt Waffen und verschiedene Gegenstände aus Metall. Dazu gehören auch Objekte, die von den Forschern als Embleme interpretiert werden. Ihre genaue Funktion wird noch untersucht. Sie könnten Hinweise auf den gesellschaftlichen Status oder die Aufgaben einzelner Bestatteter liefern.

In einer weiteren Kammer wurden die Überreste von 20 Personen gefunden. Zusammen mit den übrigen Bestattungen innerhalb des Komplexes ergibt sich die Gesamtzahl von 38 Menschen.

60 Keramikobjekte mit Inka-Einfluss

Zu den wichtigsten Funden gehören rund 60 Keramikobjekte, die deutliche Einflüsse der Inka zeigen. Dieser Befund ist für die zeitliche Einordnung der Anlage besonders interessant. Das Chimú-Reich wurde im späten 15. Jahrhundert unter Túpac Yupanqui in das Inkareich eingegliedert.

Chan Chan verlor danach seine politische Eigenständigkeit, blieb jedoch ein bedeutendes Zentrum an der Nordküste Perus. Die Keramik könnte deshalb Informationen darüber liefern, wie sich die materielle Kultur der Chimú nach der Eingliederung in das Inkareich veränderte.

Schmuck, Muscheln und Zinnober

Neben Keramik fanden die Archäologen Schmuck, Metallobjekte und weitere zeremonielle Gegenstände. Auch Objekte aus Muscheln wurden dokumentiert. Muscheln und insbesondere Spondylus besaßen in den Kulturen der Anden eine große zeremonielle Bedeutung und wurden über weite Entfernungen gehandelt. Die Kombination verschiedener wertvoller Materialien unterstützt die Annahme, dass zumindest ein Teil der Bestatteten zur gesellschaftlichen Elite gehörte.

Zu den Funden gehört außerdem Zinnober. Das intensiv rote Mineral wurde in den Anden als Farbstoff verwendet und ist aus hochrangigen Bestattungskontexten bekannt. Seine Verwendung war aufwendig, und das Material musste über Handelswege beschafft werden. Die genaue Verwendung des Zinnobers innerhalb der neuen Begräbnisanlage wird noch untersucht.

Eine Bestattung unterscheidet sich deutlich

Eine der 38 Personen wurde in einer für die Chimú ungewöhnlichen Position gefunden. Der Körper lag vollständig ausgestreckt. Bei bekannten Chimú-Bestattungen wurden Verstorbene dagegen häufig in gebeugter oder sitzend-gebeugter Haltung beigesetzt.

Die Forscher untersuchen deshalb, ob diese abweichende Position mit dem gesellschaftlichen Status der Person, einem besonderen Ritual oder möglicherweise einer Opferhandlung zusammenhängen könnte. Eine endgültige Erklärung gibt es bislang nicht.

Forscher erstellen dreidimensionale Modelle

Die gesamte Begräbnisanlage wird detailliert dokumentiert. Zum Einsatz kommen hochauflösende Fotografie und Fotogrammetrie. Aus zahlreichen Einzelaufnahmen lassen sich dreidimensionale Modelle der Grabkammern und Fundpositionen erstellen.

Dadurch bleibt die ursprüngliche Lage der Objekte digital dokumentiert, auch wenn einzelne Stücke später zur Untersuchung oder Konservierung entfernt werden. Gleichzeitig können die Forscher die räumlichen Beziehungen zwischen den Bestattungen und ihren Grabbeigaben genauer analysieren.

Warum der Fund für die Chimú-Forschung wichtig ist

Die wissenschaftliche Bedeutung liegt vor allem im ungewöhnlich guten Erhaltungszustand. Bei geplünderten Gräbern fehlen häufig Gegenstände oder wurden aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang entfernt. Dadurch gehen wichtige Informationen über Bestattungsrituale und gesellschaftliche Strukturen verloren.

In Utzh An können die Forscher dagegen Bestattungspositionen, Grabarchitektur und Beigaben gemeinsam untersuchen. Dadurch lassen sich möglicherweise gesellschaftliche Unterschiede zwischen den Bestatteten erkennen und die Organisation von Elitebestattungen innerhalb Chan Chans genauer rekonstruieren.

Chan Chan war die Hauptstadt des Chimú-Reiches

Chan Chan war das politische Zentrum des Chimú-Reiches, das große Teile der peruanischen Nordküste kontrollierte. Die Stadt entstand ungefähr ab dem 9. Jahrhundert und entwickelte sich zu einer der größten präkolumbischen Städte Südamerikas. Ihre monumentalen Anlagen wurden überwiegend aus Adobe errichtet.

Auf dem Höhepunkt ihrer Macht kontrollierten die Chimú weite Gebiete entlang der Küste. Landwirtschaft, Bewässerungssysteme, Handwerk und Fernhandel bildeten wichtige Grundlagen ihrer Wirtschaft. Besonders bekannt sind die Chimú für ihre hoch entwickelte Metallverarbeitung und ihre Arbeiten aus Gold, Silber und Kupfer.

Die Inka eroberten das Chimú-Reich

Im 15. Jahrhundert geriet das Chimú-Reich unter zunehmenden Druck der expandierenden Inka. Unter Túpac Yupanqui wurde es schließlich in das Tawantinsuyu eingegliedert. Der letzte bedeutende Chimú-Herrscher Minchancaman wurde nach der Eroberung nach Cusco gebracht.

Die Inka übernahmen nicht nur Gebiete und Ressourcen. Hochqualifizierte Handwerker der Chimú wurden ebenfalls in andere Teile des Reiches gebracht. Die nun gefundenen Keramiken mit Inka-Einflüssen könnten aus dieser Übergangsphase stammen und neue Erkenntnisse über die Veränderungen innerhalb Chan Chans liefern.

Der Fundort Utzh An

Utzh An ist einer der großen ummauerten Komplexe innerhalb Chan Chans. Solche Anlagen bestanden aus Höfen, Lagerräumen, zeremoniellen Bereichen, Verwaltungsräumen und Bestattungsanlagen. Sie werden mit den Herrschern und der Elite des Chimú-Reiches verbunden.

Der jetzt untersuchte Begräbniskomplex erweitert das Wissen über die Nutzung dieser monumentalen Anlagen und ermöglicht einen seltenen Blick auf die Bestattungspraktiken hochrangiger Bewohner Chan Chans.

Weitere Untersuchungen folgen

Die Arbeiten an den 38 menschlichen Überresten und den Grabbeigaben sind noch nicht abgeschlossen. Anthropologische Untersuchungen sollen klären, wer die Bestatteten waren. Gleichzeitig werden Keramik, Metallobjekte, Muscheln und andere Materialien analysiert und konserviert.

Von besonderem Interesse ist die Frage, ob zwischen den 38 Personen familiäre oder gesellschaftliche Beziehungen bestanden. Auch die genaue Datierung der einzelnen Bestattungen soll zeigen, über welchen Zeitraum die Begräbnisanlage genutzt wurde.

Häufige Fragen zum Fund in Chan Chan

Was wurde in Chan Chan gefunden?

Archäologen entdeckten eine weitgehend ungestörte Begräbnisplattform mit den Überresten von 38 Menschen sowie zahlreichen Grabbeigaben.

Wo befindet sich die Begräbnisanlage?

Sie liegt im ummauerten Komplex Utzh An innerhalb der archäologischen Zone Chan Chan bei Trujillo.

Wie alt ist der Fund?

Die Begräbnisanlage ist mehr als 600 Jahre alt und stammt aus der späten Chimú-Zeit beziehungsweise aus der Übergangsphase zur Inka-Herrschaft.

Welche Grabbeigaben wurden gefunden?

Zu den Funden gehören Keramik, Metallobjekte, Waffen, Schmuck, Muschelobjekte, zeremonielle Gegenstände und Zinnober.

Warum sind die 60 Keramikobjekte wichtig?

Mehrere Keramiken zeigen Inka-Einflüsse. Sie könnten neue Erkenntnisse über Chan Chan nach der Eingliederung des Chimú-Reiches in das Inkareich liefern.

Warum ist eine der Bestattungen ungewöhnlich?

Eine Person wurde vollständig ausgestreckt beigesetzt. Diese Position unterscheidet sich von den häufig gebeugten oder sitzend-gebeugten Chimú-Bestattungen.

Wer waren die 38 Bestatteten?

Die bisherigen Funde sprechen bei mehreren Personen für einen hohen gesellschaftlichen Status. Ihre genaue Identität und ihre Beziehungen untereinander werden noch untersucht.

Quellen und Bildnachweis

Ministerio de Cultura del Perú: Informationen zum archäologischen Fund im Komplex Utzh An, Chan Chan, September 2026.
Agencia Andina, 8. September 2026: „Extraordinario hallazgo en Chan Chan: descubren plataforma funeraria con restos de 38 individuos de alto estatus“.
EFE, 9. September 2026: Berichterstattung zur Begräbnisplattform, den 38 Bestattungen und den Grabbeigaben in Chan Chan.
Infobae Perú, 8. September 2026: „El entierro que sobrevivió al saqueo: descubren en Chan Chan una tumba de élite chimú con 38 individuos y bienes ceremoniales“.
Bildquelle Hero: Agencia Andina / Luis Puell, Fund in Chan Chan.