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Zurückgegebene peruanische Kulturgüter – Bildquelle: Agencia Andina / Difusión

Perus Schätze kommen nach Hause! USA geben 201 Kulturgüter zurück

Gold, Keramik und ein Inka-Quipu: Ein US-Museum gibt 201 Kulturgüter an Peru zurück. Es ist die größte Rückgabe seiner Geschichte.

Gold, Keramik, eine Totenmaske und sogar ein Inka-Quipu: 201 wertvolle Kulturgüter kommen zurück nach Peru! Jahrzehntelang befanden sich die Stücke in den USA. Jetzt gibt das Spurlock Museum der University of Illinois Urbana-Champaign die gesamte Sammlung freiwillig an Peru zurück. Es ist die größte Rückgabe in der Geschichte des Museums.

Für Peru ist es eine außergewöhnliche Rückkehr. Die 201 Objekte stammen aus verschiedenen Epochen und Regionen des Landes. Darunter befinden sich Stücke der Nasca, Moche, Lambayeque und Inka. Die Übergabe wurde im Spurlock Museum of World Cultures im US-Bundesstaat Illinois vollzogen. Vertreter Perus, des Museums und der University of Illinois Urbana-Champaign nahmen daran teil.

Goldbecher, Totenmaske und Inka-Quipu!

Zu den zurückgegebenen Kulturgütern gehört ein goldener Becher im Lambayeque-Stil. Die Lambayeque- beziehungsweise Sicán-Kultur im Norden Perus war für ihre außergewöhnliche Metallverarbeitung bekannt. Wer mehr über diese Kultur erfahren möchte, findet bei PeruMagazin mit den Pyramiden von Túcume eines ihrer bedeutendsten archäologischen Zentren.

Ebenfalls zurückgegeben werden zwei Keramikflaschen im Moche-Stil. Wie bedeutend die Moche-Kultur für den Norden Perus war, zeigt besonders Huaca Rajada–Sipán, der Fundort der berühmten unberaubten Grabstätte des Herrn von Sipán.

Unter den zurückgegebenen Stücken befindet sich außerdem ein Keramikkrug der Nasca-Tradition. Die Nasca gehören zu den bekanntesten vorinkaischen Kulturen Perus. Ihr berühmtestes Zeugnis sind heute die Nazca-Linien in der Wüste im Süden Perus.

Doch damit nicht genug: Unter den 201 Objekten befindet sich auch eine Totenmaske. Ein weiteres besonderes Stück ist ein Quipu im Inka-Stil. Das aus Schnüren und Knoten bestehende System wurde im Inkareich zur Speicherung und Verwaltung von Informationen eingesetzt. Mehr über diese Epoche steht bei PeruMagazin unter Geschichte Perus.

Größte Rückgabe aller Zeiten

Für das Spurlock Museum of World Cultures ist die Aktion historisch. Museumsdirektorin Elizabeth A. Sutton erklärte, dass es sich um die größte Rückgabe von Kulturgütern in der Geschichte des Museums handelt. Die Restitution soll zugleich als Beispiel für weitere Rückgaben an Herkunftsländer dienen.

Die Übergabe erfolgte freiwillig. Beteiligt waren das Museum, die University of Illinois Urbana-Champaign, das peruanische Generalkonsulat in Chicago sowie peruanische Behörden. Perus Generalkonsulin in Chicago, Verónika Bustamante, dankte dem Museum und der Universität für die Rückgabe und die Betreuung der Objekte während ihrer Zeit in der Sammlung.

Aber wie kamen Perus Schätze überhaupt in die USA?

Genau diese Frage ist bei vielen archäologischen Sammlungen kompliziert. Peruanische Kulturgüter gelangten über Jahrzehnte in Museen, Privatsammlungen und den internationalen Kunsthandel. Nicht jedes Objekt hat dabei dieselbe Geschichte. Ein Teil wurde zu Zeiten ausgeführt, in denen internationale Schutzmechanismen wesentlich schwächer waren. Andere archäologische Gegenstände gelangten über Händler und Sammler ins Ausland.

Besonders problematisch sind Objekte aus illegalen Grabungen. Denn dabei verschwindet nicht nur ein Gegenstand aus Peru. Archäologen verlieren gleichzeitig Informationen darüber, wo ein Objekt lag, welche Gegenstände sich daneben befanden und aus welcher historischen Schicht es stammt. Ein schönes Museumsstück kann erhalten bleiben, während ein wichtiger Teil seiner Geschichte dauerhaft verloren geht.

Die 201 Schätze müssen erst reisefertig werden

Einfach Kiste zu und ab ins Flugzeug funktioniert bei jahrhundertealten Kulturgütern nicht. Die 201 Objekte werden nach technischen Vorgaben des peruanischen Kulturministeriums speziell für den Transport vorbereitet. Keramik, Metall und andere archäologische Materialien müssen vor Erschütterungen, Feuchtigkeit und weiteren Belastungen geschützt werden.

Erst nach dieser Vorbereitung beginnt die eigentliche Reise nach Peru. Die fachgerechte Verpackung ist entscheidend, damit die teilweise empfindlichen Gegenstände den internationalen Transport ohne Schäden überstehen.

Peru holt Tausende Kulturgüter zurück

Die 201 Stücke aus Illinois sind nur ein Teil einer wesentlich größeren Rückholaktion. Nach Angaben der UNESCO hat Peru zwischen 2015 und 2023 mehr als 10.000 Kulturgüter zurückgeholt. Im gleichen Zeitraum stellte das Land annähernd 1.000 internationale Rückgabeforderungen.

Damit gehört Peru in Lateinamerika zu den Staaten, die besonders intensiv versuchen, ihr kulturelles Erbe aus ausländischen Sammlungen zurückzuholen. Dabei geht es sowohl um freiwillige Restitutionen wie im Fall des Spurlock Museums als auch um Fälle, bei denen peruanische Behörden selbst die Rückgabe von Objekten verlangen.

Was passiert jetzt mit den Schätzen?

Nach ihrer Ankunft sollen die Objekte nicht einfach in einem Lager verschwinden. Sie können für Forschung, Bildung und die Vermittlung des peruanischen Kulturerbes eingesetzt werden. Gerade die Mischung der 201 Stücke macht die Sammlung interessant, denn Nasca, Moche, Lambayeque und Inka stehen für unterschiedliche Zeiten, Regionen und kulturelle Entwicklungen Perus.

Wer sich diese Kulturgeschichte anhand realer archäologischer Orte ansehen möchte, findet in der PeruMagazin-Übersicht Regionen, Orte und Sehenswürdigkeiten in Peru zahlreiche Fundstätten und Anlagen aus verschiedenen Epochen.

Forscher können Keramiktechniken, Metallverarbeitung, Materialien und Herstellungsverfahren untersuchen. Gleichzeitig können einzelne Stücke neue Hinweise auf ihre Herkunft liefern. Ob und wann alle 201 Objekte öffentlich ausgestellt werden, ist bislang nicht bekannt.

200 Jahre Peru und USA – und jetzt kommen die Schätze zurück

Der Zeitpunkt hat eine zusätzliche Bedeutung. 2026 erinnern Peru und die Vereinigten Staaten an 200 Jahre diplomatische Beziehungen. Ausgerechnet in diesem Jubiläumsjahr wandern 201 Zeugnisse der peruanischen Geschichte aus einer US-amerikanischen Museumssammlung zurück nach Peru.

Die Übergabe in Illinois ist bereits erfolgt. Jetzt müssen die Kulturgüter fachgerecht verpackt und nach Peru transportiert werden. Dann befinden sich Goldbecher, Keramik, Totenmaske und Inka-Quipu wieder in dem Land, aus dessen kultureller Geschichte sie stammen.

Daten und Fakten

Anzahl: 201 Kulturgüter
Bisheriger Standort: Spurlock Museum of World Cultures
Universität: University of Illinois Urbana-Champaign
Ort der Übergabe: Illinois, USA
Art der Rückgabe: freiwillige Restitution
Besonderheit: größte Rückgabe in der Geschichte des Museums
Kulturen: unter anderem Nasca, Moche, Lambayeque und Inka
Besondere Stücke: Goldbecher, Totenmaske, Keramikflaschen, Nasca-Krug und Inka-Quipu
Peru 2015–2023: mehr als 10.000 zurückgeholte Kulturgüter laut UNESCO
Internationale Forderungen: annähernd 1.000 im Zeitraum 2015 bis 2023

Quellen
Ministerio de Relaciones Exteriores del Perú, September 2026
Agencia Andina, 15. September 2026
Spurlock Museum of World Cultures, University of Illinois Urbana-Champaign
UNESCO, 2026
Bildquelle: Agencia Andina / Difusión

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