Peru steht vor einer gewaltigen Wende im Goldgeschäft. Nach Berechnungen des Instituto Peruano de Economía (IPE) stammt inzwischen mehr Gold aus illegaler als aus legaler Produktion. Milliarden Dollar sind im Spiel – und der illegale Bergbau breitet sich weiter aus.
Die Zahlen sind gewaltig: Im ersten Halbjahr 2026 entfielen nach Berechnungen des IPE 54 Prozent des aus Peru exportierten Goldvolumens auf Gold illegalen Ursprungs. Damit lag diese Menge erstmals über der legalen Produktion. Der Unterschied betrug bereits 8,7 Tonnen. Während die Menge illegalen Ursprungs gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 19,4 Prozent zunahm, ging die legale Produktion um 5,9 Prozent zurück.
Dabei handelt es sich um eine Berechnung des IPE. Das Institut ermittelt die Größenordnung unter anderem aus der Differenz zwischen den ausgeführten Goldmengen und der offiziell beim peruanischen Energieministerium registrierten Produktion. Gold ohne nachvollziehbaren Produktionsnachweis kann dabei über Verarbeitungs- und Handelsketten in den regulären Export gelangen.
Bis zu 120 Tonnen illegales Gold
Das IPE rechnet für 2026 mit mindestens 110 Tonnen Gold illegalen Ursprungs. Die Menge könnte sogar über 120 Tonnen steigen. Damit könnten zwischen 52 und 55 Prozent des gesamten von Peru exportierten Goldes einen illegalen Ursprung haben. Schon 2025 lagen legale und illegale Mengen nach Berechnungen des Instituts nahezu gleichauf.
Ein Geschäft mit bis zu 18 Milliarden Dollar
Der hohe Goldpreis macht das Geschäft noch lukrativer. 2026 lag der durchschnittliche Goldpreis nach den vom IPE verwendeten Daten bislang bei rund 4.500 US-Dollar je Unze. Das waren 44 Prozent mehr als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres.
Das IPE schätzt den Wert des 2026 exportierten Goldes illegalen Ursprungs auf mindestens 16 Milliarden US-Dollar. Bei einer höheren Fördermenge und entsprechendem Goldpreis könnten es sogar mehr als 18 Milliarden US-Dollar werden. Für 2025 hatte das Institut rund 11,5 Milliarden US-Dollar errechnet.
Puno, La Libertad und Madre de Dios im Mittelpunkt
Illegaler Bergbau ist längst kein Problem einer einzelnen Region. Das IPE nennt unter anderem Puno, La Libertad und Madre de Dios als Gebiete mit starker Aktivität. Einen Überblick über die betroffenen Landesteile bietet PeruMagazin unter Regionen, Orte und Sehenswürdigkeiten in Peru.
Besonders brisant ist die Situation in La Libertad. Dort ist auch die formelle Mine Poderosa von den Auswirkungen illegaler Aktivitäten betroffen. In Apurímac wird die Umgebung des Bergbaukomplexes Las Bambas genannt. Auch Gebiete zukünftiger Großprojekte geraten unter Druck. Dazu gehören Conga und Michiquillay in Cajamarca sowie Los Chancas und Haquira. Nach Berechnungen des IPE sind Bergbauprojekte mit einem Investitionsvolumen von insgesamt mehr als 12 Milliarden US-Dollar gefährdet.
Gerade der Norden Perus ist damit ebenfalls betroffen. Weitere Hintergründe zu diesem Landesteil stehen auf der PeruMagazin-Seite Nordperu.
REINFO: Nach zehn Jahren nur zwei Prozent formalisiert
Eine Schlüsselrolle spielt das Registro Integral de Formalización Minera (REINFO). Das Register wurde 2016 geschaffen, um kleine und handwerkliche Bergbaubetriebe in die Legalität zu führen. Nach Angaben des IPE haben nur rund zwei Prozent der Eingetragenen den Formalisierungsprozess abgeschlossen. Gleichzeitig wurde die Laufzeit des Systems bereits fünfmal verlängert.
Nach Darstellung des IPE kann Gold illegalen Ursprungs über Verarbeitungsbetriebe und Handelsunternehmen in reguläre Lieferketten gelangen. Entscheidend ist deshalb nicht nur, wer das Gold aus dem Boden holt, sondern auch, wie es transportiert, verarbeitet, dokumentiert und schließlich exportiert wird.
Illegales Gold landet im legalen Handel
Illegal gefördertes Gold muss Peru nicht auf geheimen Wegen verlassen. Es kann auf seinem Weg zum Export mit Dokumenten versehen, verarbeitet und anschließend über Unternehmen verkauft werden, die Teil der regulären Wirtschaft sind.
Das macht die Bekämpfung erheblich schwieriger. Polizei und Staatsanwaltschaft sind dabei nur ein Teil der staatlichen Kontrolle. Auch Steuerbehörde SUNAT und die peruanische Finanzermittlungsstelle UIF verfügen über Informationen zu Geldströmen, Transporten, Maschinen, Betriebsmitteln und Unternehmen. Das IPE fordert deshalb eine wesentlich stärkere Rückverfolgbarkeit des Goldes.
Auch Schutzgebiete geraten unter Druck
Die Folgen beschränken sich nicht auf Steuerausfälle oder Konkurrenz für legale Bergbauunternehmen. Nach Angaben des IPE breitet sich die Tätigkeit auch in Gebiete aus, in denen Bergbau eingeschränkt oder verboten ist. Genannt werden Naturschutzgebiete, indigene Reservate und archäologische Zonen. Damit wird aus dem wirtschaftlichen Problem gleichzeitig ein Umwelt-, Sicherheits- und Kulturgüterproblem.
Peru steht vor einer Milliarden-Frage
Peru gehört zu den wichtigsten Bergbauländern der Welt. Doch beim Gold entsteht inzwischen eine zweite Wirtschaft neben der offiziell registrierten Produktion. Wenn sich die Berechnungen des IPE für 2026 bestätigen, könnten mehr als 110 Tonnen Gold illegalen Ursprungs auf den Markt gelangen. Bei einem Wert von mindestens 16 Milliarden US-Dollar wäre der illegale Goldbergbau längst kein Randphänomen mehr.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur, wie viele illegale Minen geschlossen werden. Entscheidend wird sein, ob Peru nachvollziehen kann, woher sein Gold tatsächlich stammt und auf welchem Weg es in den internationalen Handel gelangt.
Daten und Fakten
54 Prozent: Anteil des Goldes illegalen Ursprungs am exportierten Volumen im ersten Halbjahr 2026 nach IPE-Berechnung.
8,7 Tonnen: Vorsprung gegenüber der legalen Produktion im ersten Halbjahr.
110 bis über 120 Tonnen: Erwartete Menge illegalen Ursprungs für 2026.
16 bis über 18 Milliarden US-Dollar: Geschätzter Exportwert 2026.
19,4 Prozent: Wachstum der illegalen Menge im ersten Halbjahr.
5,9 Prozent: Rückgang der legalen Goldproduktion.
2 Prozent: Anteil der REINFO-Eingetragenen, die laut IPE die Formalisierung abgeschlossen haben.
Mehr als 12 Milliarden US-Dollar: Investitionsvolumen gefährdeter Projekte.
Instituto Peruano de Economía (IPE)
Gestión, 17. September 2026
RPP, 17. September 2026
El Comercio, 17. September 2026
Bildquelle: Agencia Andina / Difusión