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In Kuélap gefundene steinerne Illas – Quelle: ANDINA/Difusión

Neue Funde in Kuélap: Steinfiguren geben Hinweise auf Fruchtbarkeitsrituale

Archäologen haben in Kuélap kleine steinerne Illas mit weiblichen Merkmalen gefunden. Die Stücke eröffnen neue Fragen zu Fruchtbarkeitsritualen und zur Inka-Präsenz in Amazonas.

Neue Funde in Kuélap geben Archäologen einen ungewöhnlichen Einblick in die religiöse Welt der Menschen, die den bedeutenden Komplex im Norden Perus nutzten. Bei Ausgrabungen wurden kleine Steinfiguren gefunden, die als Illas bezeichnet werden. Einige stellen Tiere mit deutlich erkennbaren weiblichen Geschlechtsmerkmalen dar.

Der Fund wurde Ende August 2026 vom peruanischen Kulturministerium bekannt gegeben. Die Archäologen sehen Ähnlichkeiten mit sogenannten Conopas oder Illas Conopas. Solche kleinen Steinfiguren sind besonders aus der Inkazeit bekannt und standen unter anderem mit Fruchtbarkeit, Wohlstand und Schutz in Verbindung.

Für Kuélap eröffnet der Fund neue Forschungsfragen. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, wie sich lokale religiöse Vorstellungen mit Traditionen verbanden, die während der Ausbreitung des Inkareiches in die Region gelangten.

Was wurde in Kuélap gefunden?

Bei aktuellen archäologischen Ausgrabungen in Kuélap kamen mehrere kleine Skulpturen aus Stein zum Vorschein. Das peruanische Kulturministerium bezeichnet die Stücke als Illas. Besonders auffällig sind einige Tierdarstellungen. Sie besitzen weibliche Geschlechtsmerkmale, die nach Einschätzung der Forscher mit Vorstellungen von Fruchtbarkeit und Fortpflanzung zusammenhängen könnten.

Die Form der Stücke ermöglicht außerdem einen Vergleich mit Conopas beziehungsweise Illas Conopas. Dabei handelt es sich um kleine rituelle Figuren, die häufig Kameliden darstellen. Solche Objekte sind insbesondere für die Inkazeit gut dokumentiert.

Sie konnten bei Ritualen verwendet werden, die mit der Fortpflanzung der Tiere, guten Ernten und dem Wohlergehen einer Familie verbunden waren. Die genaue Bedeutung der jetzt in Kuélap gefundenen Figuren ist allerdings noch nicht abschließend geklärt.

Kleine Figuren mit großer Bedeutung

Conopas waren mehr als einfache Tierdarstellungen. Einige bekannte Exemplare besitzen kleine Vertiefungen, in denen Opfergaben abgelegt werden konnten. Dokumentiert sind beispielsweise Fett von Kameliden, Kokablätter oder Chicha.

Innerhalb eines Haushalts konnten solche Objekte eine Schutzfunktion übernehmen. Sie standen mit Vorstellungen von Fruchtbarkeit, Überfluss, Gleichgewicht und dem Wohlergehen der Familie in Verbindung. Für die Menschen der Anden waren Landwirtschaft und Viehzucht von existenzieller Bedeutung.

Fruchtbarkeit bezog sich deshalb keineswegs ausschließlich auf Menschen. Gesunde Tierbestände, ausreichende Ernten und die Versorgung einer Familie gehörten unmittelbar zusammen. Gerade deshalb sind die weiblichen Merkmale einiger neuer Figuren für die Archäologen interessant.

Neue Funde in Kuélap werfen Fragen zur Inkazeit auf

Die neuen Funde in Kuélap sind auch für die Erforschung der Inka-Präsenz in Amazonas bedeutsam. Kuélap wurde wesentlich früher errichtet und ist eng mit der Kultur der Chachapoya verbunden. Der archäologische Komplex weist jedoch ebenfalls eine Nutzung während des Späten Horizonts auf.

Dieser Zeitraum ist mit der Expansion des Inkareiches in die Region verbunden. Damit stellt sich eine entscheidende Frage: Gehören die gefundenen Illas zu einer bereits vorhandenen lokalen Tradition oder stehen sie stärker mit dem Einfluss der Inka in Verbindung?

Auch eine Vermischung verschiedener Vorstellungen ist denkbar. Die Forscher wollen deshalb untersuchen, ob ältere Traditionen fortgeführt, neue Praktiken übernommen oder bestehende Rituale verändert wurden.

Lokale Traditionen treffen auf das Inkareich

Die Expansion der Inka bedeutete nicht automatisch, dass bestehende religiöse Vorstellungen verschwanden. In verschiedenen Regionen konnten lokale Traditionen weiterbestehen und gleichzeitig neue Elemente aufnehmen. Die Illas von Kuélap könnten künftig Hinweise darauf liefern, wie dieser Prozess im Gebiet der Chachapoya verlief.

Aus anderen Regionen des Inkareiches sind Conopas als Bestandteil religiöser Praktiken bekannt. Ob die Figuren aus Kuélap genau dieselbe Funktion erfüllten, lässt sich bislang nicht sicher sagen. Weitere Untersuchungen müssen zunächst ihren archäologischen Kontext und ihre zeitliche Einordnung genauer bestimmen.

Kuélap erzählt mehr als die Geschichte seiner Mauern

Kuélap wird von Besuchern vor allem mit seinen gewaltigen Mauern und den charakteristischen Rundbauten verbunden. Für Archäologen erzählen kleine Gegenstände jedoch häufig ebenso viel über eine Gesellschaft wie monumentale Architektur.

Gebäude zeigen, wie Menschen Räume planten, organisierten und nutzten. Persönliche und rituelle Gegenstände können dagegen Hinweise auf Glaubensvorstellungen und das tägliche Leben geben. Die neuen Steinfiguren können helfen zu verstehen, welche Rolle Tiere, Fruchtbarkeit, Ernten und familiärer Schutz im religiösen Leben spielten.

Damit erweitert sich das Bild von Kuélap. Der Komplex erscheint nicht nur als beeindruckendes architektonisches Zentrum. Er war zugleich ein Ort, an dem Menschen lebten und religiöse Handlungen ausführten.

Kuélap liefert 2026 weitere bedeutende Funde

Die Illas sind nicht der einzige wichtige archäologische Fund, der 2026 aus Kuélap bekannt wurde. Bereits im Mai berichtete das Kulturministerium über eine Bestattungsstruktur, die im Bereich der Zugänge 1 und 2 untersucht wurde.

Dort fanden Archäologen menschliche Überreste von fünf Personen. Vier waren Erwachsene, eine Person war ein Kind. Mit den Bestattungen waren verschiedene zeremonielle und alltägliche Gegenstände verbunden.

Darunter befanden sich eine Paccha im regionalen Inkastil und ein aus Knochen geschnitztes Objekt mit Bezug zur Kultur der Chachapoya. Diese Ergebnisse unterstreichen, wie komplex die spätere Nutzung Kuélaps gewesen sein muss. Die neuen Illas ergänzen diese Erkenntnisse um die religiösen Vorstellungen rund um Fruchtbarkeit und Schutz.

Warum der Fund für Nordperu wichtig ist

Kuélap gehört zu den bedeutendsten archäologischen Stätten Nordperus. Der Komplex liegt in der Provinz Luya im Departamento Amazonas und umfasst rund 136 Hektar. International steht Kuélap dennoch häufig im Schatten der berühmten Inkastätten im Süden Perus.

Die laufenden Forschungen zeigen, wie viel Potenzial die Archäologie Nordperus weiterhin besitzt. Jeder neue Fund kann dazu beitragen, die Geschichte der Chachapoya und ihre Beziehungen zu anderen Gesellschaften der Anden genauer zu rekonstruieren.

Bei den Illas geht es deshalb nicht nur um einige kleine Steinfiguren. Sie könnten langfristig helfen zu erklären, wie Menschen in Kuélap religiöse Vorstellungen verstanden und wie diese sich während der Inka-Präsenz veränderten.

Weitere Untersuchungen sollen Antworten liefern

Die Archäologen stehen mit der Auswertung noch am Anfang. Besonders wichtig wird sein, die Figuren genauer zu datieren und ihren Fundzusammenhang zu untersuchen. Erst dadurch lässt sich beurteilen, wann und in welchem Zusammenhang sie verwendet wurden.

Auch die auffälligen weiblichen Merkmale der Tierfiguren werden weiter untersucht. Der Zusammenhang mit Fruchtbarkeit und Reproduktion liegt nahe und wird vom Kulturministerium ausdrücklich als Forschungsansatz genannt. Eine endgültige Interpretation wäre zum jetzigen Zeitpunkt jedoch verfrüht.

Die weiteren Untersuchungen könnten neue Erkenntnisse über die religiöse und gesellschaftliche Entwicklung Kuélaps liefern.

Häufige Fragen zum neuen Fund in Kuélap

Was wurde in Kuélap gefunden?

Archäologen haben kleine steinerne Skulpturen gefunden, die als Illas bezeichnet werden. Einige stellen Tiere mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen dar.

Was sind Illas oder Conopas?

Es handelt sich um kleine rituelle Objekte, häufig aus Stein. Vergleichbare Conopas sind besonders aus der Inkazeit bekannt und wurden unter anderem mit Fruchtbarkeit, Wohlstand, Ernten und dem Schutz von Tierbeständen verbunden.

Warum sind die weiblichen Merkmale wichtig?

Die Merkmale könnten auf Vorstellungen von Fruchtbarkeit und Fortpflanzung hinweisen. Welche konkrete Bedeutung die Figuren in Kuélap hatten, wird noch untersucht.

Stammen die Figuren von den Chachapoya oder den Inka?

Das ist noch nicht abschließend geklärt. Kuélap weist auch eine Nutzung während des Späten Horizonts auf, als das Inkareich in der Region präsent war.

Warum ist der Fund für Kuélap bedeutend?

Die Figuren liefern Hinweise auf religiöse Vorstellungen und Rituale. Dadurch können Archäologen neben der Architektur auch das Alltagsleben und die Glaubenswelt der Menschen in Kuélap besser untersuchen.

Quellen

Ministerio de Cultura del Perú / Dirección Desconcentrada de Cultura Amazonas
Agencia Peruana de Noticias Andina, 31. August 2026
Diario Oficial El Peruano, 31. August und 1. September 2026