Lambayeque verbindet jahrtausendealte Geschichte mit moderner Handwerkskunst. Die Kunsthandwerkerin Mari Carolina Reaño Sánchez verwandelt berühmte Persönlichkeiten der Region in detailreiche Häkelarbeiten. Ihre Kollektion „Esencia ancestral“ wurde dafür mit einem nationalen Preis ausgezeichnet.
In Lambayeque und rund um Chiclayo begegnet man der Vergangenheit normalerweise in monumentalen Pyramiden, archäologischen Fundstätten und Museen. Doch Geschichte kann auch in eine Hand passen. Genau diesen ungewöhnlichen Weg geht die Kunsthandwerkerin Mari Carolina Reaño Sánchez. Mit ihrer Kollektion „Esencia ancestral: tejiendo nuestra cultura lambayecana“ bringt sie einige der bekanntesten Persönlichkeiten der präkolumbischen Geschichte Lambayeques in die Gegenwart.
Señor de Sipán, die Sacerdotisa de Chornancap und der Sacerdote Guerrero erscheinen dabei nicht als Museumsstücke, sondern als sorgfältig gefertigte Amigurumi. Die Idee überzeugte auch auf nationaler Ebene. Beim XIII Premio Nacional de Diseño de la Artesanía Peruana erreichte Mari Reaño den ersten Platz.
Lambayeques Geschichte aus Baumwollfäden
Hinter den kleinen Figuren steckt erheblich mehr Arbeit, als ihre Größe zunächst vermuten lässt. Jede Figur wird von Hand aus Baumwollgarn gefertigt. Eine Arbeit kann ungefähr einen Tag beanspruchen, bei besonders aufwendigen Figuren dauert die Herstellung entsprechend länger.
Eine besondere Herausforderung war der Señor de Sipán. Seine Kleidung, sein Schmuck und seine zahlreichen Symbole machen eine originalgetreue Umsetzung schwierig. Reaño versucht deshalb, charakteristische Einzelheiten mit Häkeltechniken nachzubilden.
Gerade darin liegt der besondere Reiz der Kollektion. Die Figuren übertragen bekannte Elemente der regionalen Geschichte in eine zeitgenössische Form. Der Señor de Sipán wird damit aus der Welt archäologischer Ausstellungen in den Alltag gebracht. Dasselbe gilt für die Sacerdotisa de Chornancap und den Sacerdote Guerrero.
Señor de Sipán im Miniaturformat
Der Señor de Sipán gehört zu den wichtigsten archäologischen Entdeckungen Perus. Sein Grab wurde 1987 in Huaca Rajada–Sipán entdeckt. Die außergewöhnlichen Grabbeigaben machten deutlich, welche politische und religiöse Bedeutung dieser Herrscher innerhalb der Mochica-Kultur besaß. Heute gehört sein Erbe zu den wichtigsten kulturellen Identifikationspunkten Lambayeques.
Viele der Originalfunde können heute im Museo Tumbas Reales de Sipán in Lambayeque besichtigt werden. Das Museum bildet gemeinsam mit Huaca Rajada einen wichtigen Zugang zur Geschichte des Señor de Sipán.
Für eine Kunsthandwerkerin bedeutet die Darstellung einer solchen Persönlichkeit eine besondere Verantwortung. Die Figur muss wiedererkennbar bleiben, obwohl Materialien und Technik vollkommen andere sind als bei den historischen Originalen. Genau diese Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist ein zentraler Gedanke von „Esencia ancestral“.
Auch die Sacerdotisa de Chornancap wird zur Figur
Eine weitere Persönlichkeit der Kollektion ist die Sacerdotisa de Chornancap. Ihr Grab wurde im archäologischen Komplex Chotuna-Chornancap entdeckt. Ihre Grabstätte lieferte Archäologen wichtige Hinweise auf die gesellschaftliche und religiöse Stellung hochrangiger Frauen an Perus Nordküste.
Auch sie erhält durch Reaños Arbeit eine neue Darstellungsform. Statt allein über wissenschaftliche Texte oder Museumsvitrinen vermittelt zu werden, wird ihre Geschichte durch Kunsthandwerk sichtbar. Das kann insbesondere jüngeren Menschen einen anderen Zugang zur regionalen Vergangenheit ermöglichen.
Aus einem Hobby wurde Marigumi
Vor rund sechs Jahren begann Mari Reaño mit der Herstellung gehäkelter Puppen. Daraus entwickelte sich ihr Unternehmen Marigumi. Mit der Zeit rückte die Geschichte Lambayeques stärker in den Mittelpunkt.
Kunsthandwerk wurde damit zu einem Mittel, um regionale Identität und historische Erinnerung weiterzugeben. Der nationale Designpreis soll Kreativität und Innovation im Kunsthandwerk unterstützen. Gleichzeitig sollen traditionelle Kenntnisse und kulturelle Identität erhalten bleiben.
Lambayeque zeigt, dass Tradition nicht stehen bleiben muss
Neben größeren Amigurumi entstehen inzwischen auch kleinere Schlüsselanhänger. Einige Figuren werden außerdem mit gravierten Holzsockeln kombiniert. Damit werden aus historischen Motiven moderne Produkte, ohne ihren regionalen Bezug zu verlieren.
Die Kollektion zeigt gleichzeitig, dass kulturelles Erbe wirtschaftliche Möglichkeiten schaffen kann. Für Lambayeque ist das besonders interessant. Die Region verfügt mit der Mochica- und Lambayeque-Kultur über ein außergewöhnlich reiches archäologisches Erbe. Mehr zu den Traditionen des Landes gibt es bei PeruMagazin unter Kultur in Peru.
Sogar Papst Leo XIV. wurde bereits gehäkelt
Mari Reaño beschränkt ihre Arbeit inzwischen nicht ausschließlich auf Persönlichkeiten aus der präkolumbischen Geschichte. Zu ihren neueren Arbeiten gehört auch eine Amigurumi-Darstellung von Papst Leo XIV.
Das Motiv besitzt gerade in Nordperu eine besondere Bedeutung. Robert Francis Prevost war viele Jahre eng mit Peru und insbesondere Chiclayo verbunden, bevor er 2025 zum Papst gewählt wurde. Damit können neben Persönlichkeiten aus der Vergangenheit auch Figuren der Gegenwart Teil der handwerklichen Erzählung Lambayeques werden.
Ausstellung in Chiclayo noch bis 15. September
Wer sich derzeit in Chiclayo befindet, kann die Arbeiten selbst ansehen. Die Ausstellung „Esencia ancestral: tejiendo nuestra cultura lambayecana“ wurde am 31. August eröffnet und läuft noch bis zum 15. September 2026.
Ort: Dirección Desconcentrada de Cultura Lambayeque, Chiclayo
Öffnungszeiten: 8:30 bis 17:00 Uhr
Bis: 15. September 2026
Gezeigt werden nicht ausschließlich die preisgekrönten Arbeiten von Mari Reaño. An der Ausstellung beteiligen sich weitere Kunsthandwerker aus Lambayeque. Dazu gehört ein Mantel, dessen Gestaltung von der Sacerdotisa de Chornancap inspiriert wurde und von Mitgliedern des Workshops Artesanas del Corazón stammt.
Warum solche Projekte für Lambayeque wichtig sind
Lambayeque besitzt einige der bedeutendsten archäologischen Stätten Perus. Neben Sipán gehört die Anlage der Pyramiden von Túcume zu den bedeutenden Zeugnissen der präkolumbischen Geschichte Nordperus.
Kulturelles Erbe lebt auch durch Menschen weiter, die historische Motive neu interpretieren. Genau darin liegt die Stärke von Projekten wie „Esencia ancestral“. Ein gehäkelter Señor de Sipán kann keinen Museumsbesuch ersetzen. Er kann aber Neugier auf die Geschichte Nordperus wecken.
Lambayeque zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Für Besucher ist Lambayeque eine der spannendsten Regionen in Nordperu. Archäologische Stätten, Museen, traditionelle Handwerkskunst und die regionale Küche erzählen unterschiedliche Teile derselben Geschichte. „Esencia ancestral“ fügt dieser Geschichte eine moderne Perspektive hinzu.
Wer Lambayeque selbst bereist, findet im Chiclayo-Reiseführer weitere Informationen zu Sipán, Túcume, Museen, Märkten, Küche und Ausflügen in der Region.
Häufige Fragen zu „Esencia ancestral“
Was ist „Esencia ancestral“?
Eine Kunsthandwerkskollektion von Mari Carolina Reaño Sánchez, die Persönlichkeiten und Symbole der Geschichte Lambayeques als handgefertigte Amigurumi darstellt.
Welche historischen Persönlichkeiten werden dargestellt?
Zu den Motiven gehören der Señor de Sipán, die Sacerdotisa de Chornancap und der Sacerdote Guerrero.
Wo kann man die Ausstellung besuchen?
In der Dirección Desconcentrada de Cultura Lambayeque in Chiclayo. Die Ausstellung läuft bis zum 15. September 2026 und ist von 8:30 bis 17:00 Uhr geöffnet.
Quellen und Bildnachweis
Quelle: Agencia Andina, 7. September 2026, „Lambayeque teje su historia: cuando el patrimonio cultural se convierte en emprendimiento“.
Hero-Bild: Symbolbild peruanische Amigurumi. Quelle: Artesanías del Perú / Ministerio de Comercio Exterior y Turismo (Mincetur).