Wie sah der Alltag bei den Inka aus? Wer an das Inkareich denkt, hat häufig Machu Picchu, mächtige Herrscher, Tempel und gewaltige Steinmauern vor Augen. Für die meisten Menschen bestand das Leben jedoch nicht aus Palästen und Zeremonien. Ihr Alltag spielte sich auf Feldern, in kleinen Siedlungen, bei der Familie und innerhalb ihrer Gemeinschaft ab.
Das Inkareich, das die Inka Tawantinsuyu nannten, erstreckte sich im 15. und frühen 16. Jahrhundert über große Teile der südamerikanischen Anden. Dazu gehörten Gebiete des heutigen Peru sowie Teile von Ecuador, Bolivien, Chile, Argentinien und Kolumbien. Entsprechend unterschiedlich konnte der Alltag aussehen. Eine Familie an der Küste lebte unter anderen Bedingungen als Menschen auf über 3.000 Metern Höhe in den Anden.
Landwirtschaft bestimmte den Alltag bei den Inka
Für einen großen Teil der Bevölkerung war Landwirtschaft die Lebensgrundlage. Die Menschen bauten unter anderem Kartoffeln, Mais, Quinoa und zahlreiche weitere Nutzpflanzen an. Welche Pflanzen angebaut werden konnten, hing stark von Höhe, Klima und Region ab.
In den Bergen war Ackerland kostbar. Deshalb wurden vielerorts Terrassen angelegt. Sie machten steile Hänge landwirtschaftlich nutzbar und halfen dabei, Wasser und Boden besser zu kontrollieren. Bewässerungssysteme ermöglichten Landwirtschaft auch dort, wo Regen allein nicht ausreichte.
Lamas und Alpakas spielten ebenfalls eine wichtige Rolle. Alpakas wurden besonders wegen ihrer Wolle gehalten. Lamas lieferten ebenfalls Wolle und Fleisch und waren vor allem wichtige Lasttiere. Da die Inka keine Pferde oder vergleichbare Lasttiere besaßen, konnten Lamas beim Transport von Waren über die Anden eine wichtige Aufgabe übernehmen.
Was kam bei den Inka auf den Tisch?
Kartoffeln gehörten in vielen Andenregionen zu den wichtigsten Lebensmitteln. Es existierten zahlreiche Sorten, die an unterschiedliche Höhenlagen und klimatische Bedingungen angepasst waren. Eine besondere Methode der Haltbarmachung war Chuño. Dabei wurden Kartoffeln mithilfe der kalten Andennächte und anschließender Trocknung konserviert.
Mais hatte ebenfalls große Bedeutung. Er wurde gegessen und unter anderem zur Herstellung von Chicha verwendet, einem fermentierten Getränk. Je nach Region standen außerdem Quinoa, Bohnen, Kürbisse, Paprika und andere Pflanzen zur Verfügung.
Fleisch gehörte nicht überall täglich zum Speiseplan. Lamas, Alpakas, Meerschweinchen und andere Tiere konnten als Nahrungsquelle dienen. Fleisch ließ sich zudem trocknen und dadurch länger haltbar machen. Diese Form wird als Charqui bezeichnet.
Wie wohnten die Menschen?
Die meisten Einwohner des Inkareiches lebten keineswegs in Gebäuden wie den berühmten Anlagen von Cusco oder Machu Picchu. Gewöhnliche Wohnhäuser waren wesentlich einfacher. Als Baumaterial verwendeten die Menschen das, was in ihrer Umgebung verfügbar war. In den Anden kamen häufig Steine zum Einsatz, in anderen Gebieten auch Lehmziegel. Dächer konnten beispielsweise mit Gras oder Stroh gedeckt werden.
Die Häuser waren zweckmäßig eingerichtet. Das tägliche Leben spielte sich nicht ausschließlich innerhalb der Gebäude ab. Kochen, Arbeiten und gemeinschaftliche Tätigkeiten konnten ebenso in Höfen oder anderen Bereichen der Siedlung stattfinden.
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Familie und Ayllu
Eine der wichtigsten sozialen Einheiten der Andengesellschaft war der Ayllu. Vereinfacht lässt er sich als Gemeinschaft miteinander verbundener Familien beschreiben. Land, Arbeit und gegenseitige Verpflichtungen waren eng mit dieser Gemeinschaft verbunden.
Menschen halfen einander bei größeren Arbeiten. Gegenseitigkeit spielte dabei eine wichtige Rolle. Wer Unterstützung erhielt, hatte seinerseits Verpflichtungen gegenüber anderen Mitgliedern der Gemeinschaft. Familie bedeutete deshalb mehr als das Zusammenleben von Eltern und Kindern.
Mussten die Menschen für den Inka arbeiten?
Das Inkareich verfügte nicht über ein Geld- und Steuersystem, das mit einem modernen Staat vergleichbar wäre. Eine wichtige Form der Verpflichtung war stattdessen Arbeitsleistung. Besonders bekannt ist die Mit'a. Gemeinschaften mussten zeitweise Arbeitskräfte für staatliche Aufgaben bereitstellen.
Diese Menschen konnten beispielsweise an Straßen, landwirtschaftlichen Anlagen oder staatlichen Gebäuden arbeiten, Waren transportieren oder andere Aufgaben für das Reich übernehmen. Gleichzeitig mussten die Menschen ihre Familien und ihre Gemeinschaft versorgen.
Straßen verbanden den Alltag im riesigen Reich
Das Inkareich verfügte über ein außergewöhnlich umfangreiches Straßennetz, das heute als Qhapaq Ñan bekannt ist. Zehntausende Kilometer Wege verbanden unterschiedliche Regionen der Anden. Diese Straßen waren für Verwaltung, Militär, Kommunikation und Transport wichtig.
Menschen gingen zu Fuß, während Lamas Waren tragen konnten. Für besonders schnelle Nachrichten gab es Läufer, die als Chasquis bekannt sind. Für gewöhnliche Bewohner bedeutete das allerdings nicht, dass sie ständig durch das gesamte Reich reisten. Der Lebensmittelpunkt vieler Menschen blieb ihre eigene Region und Gemeinschaft. Einen bekannten Teil dieses Wegenetzes stellt PeruMagazin auf der Seite zum Camino Inca vor.
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Wie kleideten sich die Inka?
Kleidung zeigte nicht nur Wohlstand. Materialien, Farben und Muster konnten auch Hinweise auf Herkunft und gesellschaftliche Stellung geben. Wolle von Lamas und Alpakas war besonders im Hochland wichtig. In wärmeren Gebieten wurde außerdem Baumwolle verwendet.
Textilien hatten im Inkareich einen hohen Wert und konnten auch als Abgaben, Geschenke oder Zeichen politischer Beziehungen dienen. Hochwertige Stoffe waren der Elite und besonderen Verwendungszwecken vorbehalten.
Wie lebten Kinder bei den Inka?
Kinder waren Teil des Familien- und Gemeinschaftslebens und lernten viele praktische Fähigkeiten direkt von Erwachsenen. Es gab für die breite Bevölkerung kein Schulsystem nach heutigem Verständnis.
Jungen und Mädchen wurden schrittweise an Tätigkeiten herangeführt, die für ihre spätere Rolle in Familie und Gemeinschaft wichtig waren. Dazu konnten Landwirtschaft, Tierhaltung, die Verarbeitung von Lebensmitteln oder die Herstellung von Textilien gehören. Die Ausbildung von Kindern aus der Elite konnte anders aussehen.
Religion gehörte zum täglichen Leben
Religion war bei den Inka nicht auf große Tempel beschränkt. Die Welt der Menschen war eng mit Bergen, Quellen, Landschaften, Vorfahren und anderen heiligen Orten verbunden. Zu den bedeutenden Gottheiten gehörte Inti, die Sonne. Auch Viracocha besaß große religiöse Bedeutung.
Daneben existierten zahlreiche regionale Traditionen und sogenannte Huacas. Eine Huaca konnte beispielsweise ein heiliger Ort, ein Felsen, eine Quelle oder ein anderes besonders verehrtes Landschaftselement sein.
War das Leben für alle Menschen gleich?
Nein. Zwischen einem Bauern in einem kleinen Andendorf und einem Angehörigen der Elite in Cusco bestanden erhebliche Unterschiede. Die gesellschaftliche Spitze verfügte über besondere Kleidung, hochwertige Textilien, bessere Versorgung und politische Privilegien.
Auch geografisch gab es keinen einheitlichen Inka-Alltag. Das Reich umfasste Küstenwüsten, fruchtbare Täler, Hochgebirge und weitere Landschaftsräume. Ernährung, Häuser, Kleidung und landwirtschaftliche Methoden mussten an diese unterschiedlichen Bedingungen angepasst werden.
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Ein gewöhnlicher Tag im Inkareich
Einen Tagesablauf, der für alle Bewohner des Inkareiches galt, gab es nicht. Für eine landwirtschaftlich geprägte Familie könnte ein Tag jedoch früh begonnen haben. Tiere mussten versorgt, Felder bearbeitet, Lebensmittel vorbereitet und Werkzeuge instand gehalten werden. Andere Familienmitglieder konnten Wolle verarbeiten, Stoffe herstellen oder weitere Arbeiten übernehmen.
Welche Aufgaben gerade besonders wichtig waren, hing von der Jahreszeit ab. Aussaat und Ernte verlangten andere Arbeiten als ruhigere Phasen des landwirtschaftlichen Jahres. Gemeinschaftliche Aufgaben konnten den gewohnten Tagesablauf zusätzlich verändern.
Alltag bei den Inka – Familie, Arbeit und Gemeinschaft
Die berühmten Tempel, Straßen und Steinbauten des Inkareiches entstanden nicht losgelöst vom täglichen Leben seiner Bevölkerung. Hinter ihnen stand eine Gesellschaft, in der Landwirtschaft, gemeinschaftliche Arbeit und staatliche Organisation eng miteinander verbunden waren.
Wer verstehen möchte, wie das Inkareich funktionierte, sollte deshalb nicht nur auf Pachacútec, Huayna Cápac oder Atahualpa schauen. Ebenso wichtig sind die Bauern, Hirten, Weberinnen und Weber, Handwerker, Transporteure und Familien, deren tägliche Arbeit das riesige Reich überhaupt erst möglich machte.
Daten und Fakten
Reich: Tawantinsuyu
Lebensgrundlage: Landwirtschaft und Viehhaltung
Wichtige Pflanzen: Kartoffeln, Mais und Quinoa
Gemeinschaft: Ayllu
Staatliche Arbeitsleistung: Mit'a
Straßennetz: Qhapaq Ñan
Nachrichtenläufer: Chasquis
Wichtige Tiere: Lamas und Alpakas
Haltbare Lebensmittel: Chuño und Charqui
Encyclopaedia Britannica – Inca
UNESCO World Heritage Centre – Qhapaq Ñan, Andean Road System
The Metropolitan Museum of Art – Inca Art and Society
Smithsonian National Museum of the American Indian – Andean Cultures
Terence N. D'Altroy – The Incas
John Hemming – The Conquest of the Incas
Bildquelle: Patricia van den Berg / Water Alternatives Photos – Inca agriculture, Peru, Public Domain
PeruMagazin: Originalbeitrag. Im Original sind keine weiteren Quellen angegeben.