Dina Boluarte ist nicht mehr Präsidentin Perus, doch die juristische und politische Aufarbeitung ihrer Amtszeit sowie ihrer früheren Tätigkeit als Ministerin ist längst nicht abgeschlossen. Gegen die ehemalige Staatschefin laufen beziehungsweise liefen mehrere voneinander unabhängige Verfahren. Dabei geht es unter anderem um den Verdacht der Geldwäsche, mögliche Unregelmäßigkeiten bei öffentlichen Aufträgen und die umstrittene Besetzung eines Spitzenpostens bei EsSalud.
Die einzelnen Fälle müssen klar voneinander getrennt werden. Eine laufende Untersuchung oder eine vom Kongress zugelassene Verfassungsanklage bedeutet nicht, dass Dina Boluarte wegen der entsprechenden Vorwürfe schuldig gesprochen wurde. Wer die wiederkehrenden politischen Krisen des Landes zeitlich einordnen möchte, findet weitere Hintergründe in der Geschichte Perus.
Geldwäsche: Ermittlungen gegen Dina Boluarte auf 36 Monate angelegt
Eines der bedeutendsten Verfahren betrifft den Verdacht der Geldwäsche. Im Mai 2026 leitete die peruanische Staatsanwaltschaft eine vorbereitende Untersuchung gegen Dina Boluarte und sieben weitere Personen ein.
Im Mittelpunkt steht eine Gemeinschaftskonto-Konstruktion im Zusammenhang mit Perú Libre. Über das Konto sollen Gelder von Parteimitgliedern gesammelt worden sein, die zur Begleichung einer gegen Vladimir Cerrón verhängten zivilrechtlichen Zahlung bestimmt gewesen sein sollen. Dina Boluarte gehörte bei der Präsidentschaftswahl 2021 zur Kandidatenliste von Perú Libre und wurde Vizepräsidentin unter Pedro Castillo. Weitere Hintergründe zu Castillo, Boluarte und den politischen Entwicklungen dieser Zeit finden sich in den Peru-Nachrichten von PeruMagazin.
Die vorbereitende Untersuchung wurde auf 36 Monate angelegt. Das zeigt, dass die Behörden mit umfangreichen Ermittlungen rechnen. Gleichzeitig gilt auch hier die Unschuldsvermutung. Die Einleitung der Untersuchung stellt keine Verurteilung dar.
Neue Verfassungsanklage wegen möglicher Kollusion
Ein weiterer Fall betrifft Dina Boluartes frühere Tätigkeit als Ministerin für Entwicklung und soziale Inklusion. Die Unterkommission für Verfassungsanklagen des peruanischen Kongresses ließ am 9. Juni 2026 die Verfassungsanklage Nr. 591 gegen Boluarte zur weiteren Behandlung zu. Die Entscheidung fiel nach Angaben des Kongresses einstimmig mit neun Stimmen. Gegenstand ist der mögliche Straftatbestand der einfachen beziehungsweise schweren Kollusion.
Der Vorwurf bezieht sich auf die Beschäftigung von Víctor Hugo Torres Merino in verschiedenen Programmen des Ministeriums. Boluarte soll nach Darstellung der Anzeige Einfluss auf dessen Beschäftigung genommen haben. Dabei steht der Verdacht im Raum, dass nicht sämtliche vereinbarten Leistungen erbracht worden seien, obwohl eine entsprechende Bezahlung erfolgt sein soll.
Der Kongress führt das Verfahren inzwischen in seiner offiziellen Agenda. Dort wird Dina Boluarte im Zusammenhang mit der Denuncia Constitucional 591 als frühere Ministerin genannt. Auch bei diesem Verfahren handelt es sich um Vorwürfe, die rechtlich geprüft werden müssen.
EsSalud: Streit um die Ernennung von María Elena Aguilar
Ein weiterer Komplex betrifft EsSalud, die öffentliche Sozialversicherung Perus. Im Mittelpunkt steht die Ernennung von María Elena Aguilar del Águila zur Präsidentin von EsSalud. Die zuständige Unterkommission des Kongresses hatte bereits im April 2026 beschlossen, die Verfassungsanklage Nr. 694 gegen Dina Boluarte teilweise zuzulassen.
Dabei geht es um den Verdacht der unvereinbaren Verhandlung beziehungsweise der missbräuchlichen Ausnutzung eines öffentlichen Amtes. Nach Darstellung des Kongresses existieren unter anderem Kommunikation, E-Mails und Zeugenaussagen, die im parlamentarischen Verfahren untersucht werden sollen.
Am 13. Mai 2026 ging das Verfahren einen weiteren Schritt. Die Permanente Kommission des Kongresses gewährte der Unterkommission bis zu 15 Arbeitstage für die Untersuchung und die Vorlage eines Abschlussberichts. Die Entscheidung fiel einstimmig mit 17 Stimmen. Damit handelt es sich nicht lediglich um einen politischen Vorwurf aus der öffentlichen Diskussion. Der Vorgang ist Bestandteil eines formellen parlamentarischen Verfahrens.
Auch der Fall Juan José Santiváñez beschäftigt den Kongress
Dina Boluarte ist außerdem Teil eines weiteren Verfahrens, das mit dem ehemaligen Innenminister Juan José Santiváñez zusammenhängt. Am 18. März 2026 erklärte die Unterkommission für Verfassungsanklagen eine entsprechende Anzeige für zulässig. Bei Dina Boluarte geht es um den Verdacht der persönlichen Begünstigung beziehungsweise Strafvereitelung. Gegen Santiváñez richtet sich ein damit verbundenes Verfahren wegen des Verdachts, eine erforderliche Anzeige unterlassen zu haben.
Auch dieses Verfahren ist mittlerweile in der parlamentarischen Agenda aufgeführt. Es handelt sich damit um einen weiteren eigenständigen Komplex und nicht um einen Bestandteil der Geldwäsche- oder EsSalud-Ermittlungen.
Nicht jede Untersuchung gegen Dina Boluarte besteht weiter
Bei der Vielzahl der Verfahren ist eine weitere Unterscheidung wichtig. Nicht jeder öffentlich bekannt gewordene Vorwurf gegen Dina Boluarte wird weiterhin verfolgt. Ende Mai 2026 wurde beispielsweise eine vorläufige Untersuchung wegen mutmaßlich gefälschter Unterschriften unter offiziellen Dokumenten eingestellt. Der Verdacht bezog sich auf einen Zeitraum im Jahr 2023, in dem Boluarte sich nach medizinischen Eingriffen erholte. Die Staatsanwaltschaft hatte untersucht, ob andere Personen offizielle Dokumente in ihrem Namen unterzeichnet haben könnten. Dieses Verfahren wurde archiviert.
Auch parlamentarische Anzeigen können teilweise zugelassen und in anderen Punkten zurückgewiesen werden. Bereits im Januar 2026 ließ die zuständige Unterkommission bestimmte Vorwürfe gegen Boluarte wegen möglicher Pflichtverletzung beziehungsweise Amtsaufgabe zu, während andere Teile der Anzeigen für unzulässig erklärt wurden. Eine pauschale Aussage, Dina Boluarte werde wegen sämtlicher in den vergangenen Jahren erhobenen Vorwürfe strafrechtlich verfolgt, wäre deshalb falsch.
Die Proteste von 2022 und 2023 bleiben politisch bedeutsam
Besonders schwer wiegt weiterhin die politische Aufarbeitung der gewaltsamen Proteste nach dem Amtsantritt von Dina Boluarte Ende 2022. Nach der Absetzung Pedro Castillos kam es in verschiedenen Teilen Perus zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Besonders betroffen waren Regionen im Süden des Landes. Die Frage nach der politischen und strafrechtlichen Verantwortung für die Todesfälle begleitet Peru seitdem.
Die Krise gehört zu einer längeren Entwicklung politischer Instabilität in Peru. Einen größeren historischen Zusammenhang von der Entstehung der Republik bis zu den politischen Krisen der Gegenwart bietet die PeruMagazin-Seite Geschichte Perus – von den frühen Kulturen bis zur Gegenwart.
Die parlamentarische Behandlung dieses Komplexes verlief allerdings anders als einige der aktuell weiterverfolgten Verfahren. Eine gegen Boluarte und mehrere ehemalige Minister gerichtete Verfassungsanklage im Zusammenhang mit den Todesfällen wurde 2025 von der Permanenten Kommission des damaligen Kongresses archiviert. Die Entscheidung fiel mit zwölf zu zehn Stimmen. Damit ist gerade bei diesem Thema eine genaue Trennung zwischen politischen Forderungen, staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und parlamentarischen Verfahren notwendig.
Für Dina Boluarte ist die politische Geschichte noch nicht beendet
Die Präsidentschaft von Dina Boluarte gehört der Vergangenheit an. Die juristische Aufarbeitung verschiedener Vorgänge aus ihrer politischen Laufbahn geht dagegen weiter. Besonders relevant sind derzeit die auf 36 Monate angelegte Geldwäsche-Untersuchung sowie die parlamentarischen Verfahren wegen der Vorgänge während ihrer Zeit im Ministerium für Entwicklung und soziale Inklusion, der Besetzung der EsSalud-Spitze und des Komplexes um den ehemaligen Innenminister Juan José Santiváñez.
Wie schwer diese Verfahren letztlich für Dina Boluarte wiegen werden, lässt sich derzeit nicht seriös vorhersagen. Zwischen einer zugelassenen Verfassungsanklage, einer staatsanwaltschaftlichen Untersuchung und einer rechtskräftigen strafrechtlichen Verurteilung liegen erhebliche rechtliche Unterschiede.
Fest steht jedoch: Mit dem Ende ihrer Präsidentschaft sind die offenen Fragen rund um Dina Boluarte nicht verschwunden. In den kommenden Monaten dürfte sich zeigen, welche Verfahren weitergeführt, welche eingestellt und welche möglicherweise zu einer formellen Anklage führen. Weitere aktuelle Entwicklungen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bündelt PeruMagazin unter PeruMagazin informiert.
Stand: 14. September 2026
Daten und Fakten
Person: Dina Ercilia Boluarte Zegarra
Frühere Ämter: Präsidentin Perus, Vizepräsidentin, Ministerin für Entwicklung und soziale Inklusion
Geldwäsche-Untersuchung: seit Mai 2026, Dauer auf 36 Monate angelegt
Verfassungsanklage Nr. 591: am 9. Juni 2026 zur Behandlung zugelassen
EsSalud-Komplex: Verfassungsanklage Nr. 694
Fall Santiváñez: parlamentarisches Verfahren seit März 2026
Rechtslage: Für alle nicht rechtskräftig entschiedenen Vorwürfe gilt die Unschuldsvermutung.
Quellen und Bildnachweis
Congreso de la República del Perú – Subcomisión de Acusaciones Constitucionales.
Congreso de la República del Perú – Comisión Permanente und parlamentarische Agenda.
Ministerio Público del Perú.
RPP Noticias.
Bildquelle Hero: Wikimedia Commons / Ministerio de Defensa del Perú – MDP 2563, CC BY 2.0.