Cabo Blanco
In den Ruinen des berühmten Fishing Clubs entdecken Perusina, Perusino und Franz eine verstaubte Schreibmaschine mit einem einzigen Satz.
Ein falscher Tastendruck befördert sie ins Jahr 1956. Dort wartet Ernest Hemingway auf eine Geschichte, die das Meer noch nicht erzählt hat.

Hemingways verlorener Roman
Ein herrenloses Kameraboot rast auf die Felsen zu, ein schwarzer Marlin hängt im Filmkabel und irgendwo zwischen den Wellen beginnt ein unbekannter Roman.
Die Schreibmaschine stand im verlassenen Fishing Club von Cabo Blanco, als hätte jemand sie nur für einen Augenblick allein gelassen.
Dabei lag dieser Augenblick siebzig Jahre zurück.
Perusina strich über die verstaubten Tasten. Im Wagen steckte ein vergilbtes Blatt. Darauf stand ein einziger Satz:
Das Meer hatte seine Geschichte noch nicht beendet.
„Klingt nach einer Einladung“, sagte Perusino.
„Klingt nach Staub“, sagte Franz und nieste mitten auf die Tastatur.
Seine Pfote traf die Taste H.
Die Schreibmaschine begann zu rattern. Erst langsam, dann immer schneller. Sämtliche Tasten schlugen gleichzeitig auf das Papier. Wind heulte durch den Raum, die Fensterläden flogen auf und draußen raste das Meer rückwärts.
Als es wieder still wurde, war der Staub verschwunden.
Vor dem Club standen glänzende Autos. Männer trugen Filmkameras zum Pier. Fischer spannten Segel auf ihren Booten. An der Wand hing ein Kalender.
1956.
„Ihr drei gehört nicht zum Filmteam“, sagte eine tiefe Stimme.
Ein kräftiger Mann mit weißem Bart stand hinter ihnen. In einer Hand hielt er ein Notizbuch, in der anderen einen Bleistift.
Perusino verschluckte sich fast an seinem eigenen Namen.
„Sie sind Ernest Hemingway!“
„Das behaupten jedenfalls meine Bücher.“
Hemingway war wegen der Dreharbeiten zu Der alte Mann und das Meer in Cabo Blanco. Begeistert wirkte er trotzdem nicht. Er schlug sein Notizbuch zu.
„Das Meer hat mir schon seine beste Geschichte gegeben.“
„Unsinn“, sagte Perusina. „Im Meer stecken Tausende Geschichten.“
Hemingway reichte ihr den Bleistift. „Dann zeigt mir eine.“
In diesem Moment schrie jemand am Pier.
Ein unbesetztes Kameraboot hatte sich losgerissen. Auf seinem Heck lagen Filmrollen, Aufnahmegeräte und Hemingways lose Manuskriptseiten. Die Strömung zog das Boot hinaus.
Dann schoss etwas Schwarzes aus dem Wasser.
Ein riesiger Marlin sprang über die Wellen. Um seine Schwanzflosse hatte sich ein langes Filmkabel gewickelt. Das andere Ende hing am Kameraboot.
Der Marlin zog das Boot direkt auf die Felsen zu.
„Da ist Ihre Geschichte!“, rief Perusino.
Die drei sprangen in ein traditionelles Segelboot. Hemingway folgte ihnen. Ein Fischer löste die Leine, das Segel blähte sich und das Boot schoss aus der Bucht.
Perusina übernahm das Ruder. Perusino kletterte am Mast hinauf, um das Segel richtig auszurichten. Franz bewachte die Manuskriptmappe, die Hemingway mitgebracht hatte.
Eine Welle traf sie von der Seite.
Das Boot legte sich schräg. Franz rutschte über die Planken, prallte gegen die Mappe und schleuderte sämtliche Seiten in die Luft.
„Meine Notizen!“, rief Hemingway.
„Ich kümmere mich darum!“
Franz sprang hoch, biss nach einem Blatt und erwischte drei. Zwei klebten an seinem Gesicht. Ein weiteres verfing sich oben im Segel.
Perusino griff danach.
Da riss die obere Leine.
Das Segel schlug wild im Wind. Perusino hing mit einer Hand am Mast, mit der anderen hielt er die flatternde Seite fest.
„Lass das Papier los!“, rief Perusina.
„Das ist die Seite mit dem Ende!“
„Noch hat die Geschichte kein Ende!“
Perusino stopfte das Blatt in seinen Pullover, knotete die gerissene Leine zusammen und zog das Segel wieder straff.
Vor ihnen raste das Kameraboot auf die Felsen zu. Der Marlin sprang erneut. Das Kabel schnitt bei jeder Bewegung tiefer in seine Schwanzflosse.
Hemingway nahm ein Messer.
„Wir müssen dicht heran.“
Perusina steuerte auf das Kameraboot zu. Eine gewaltige Welle hob beide Boote gleichzeitig an. Für einen Atemzug schwebten sie nebeneinander.
Perusino sprang hinüber.
Er landete zwischen Filmrollen und Kamerakisten. Sofort kroch er zum Heck und griff nach dem Kabel. Es war gespannt wie eine Saite.
Franz sprang hinterher, blieb jedoch mit seiner Tasche an der Reling hängen.
„Ich wollte nur helfen!“
Hemingway packte ihn am Schwanz und zog ihn zurück ins Segelboot.
Perusino erreichte die Motorsteuerung des Kamerabootes. Der Motor sprang an, aber das Kabel hielt das Boot weiter fest.
„Noch näher an den Marlin!“, rief er.
Perusina drehte das Segelboot in die nächste Welle. Hemingway stand am Bug, das Messer bereit.
Der Marlin tauchte auf.
Hemingway schnitt.
Das Kabel schnellte durch die Luft. Der Marlin war frei.
Gleichzeitig erfasste die Welle das Kameraboot. Perusino riss das Steuer herum. Nur eine Armlänge vor den Felsen drehte das Boot ab.
Der Marlin sprang ein letztes Mal aus dem Wasser. Sonnenlicht glänzte auf seinem Rücken. Dann verschwand er im offenen Meer.
Am Abend saß Hemingway wieder an der Schreibmaschine im Fishing Club.
„Jetzt wissen Sie, worüber Sie schreiben können“, sagte Perusina.
Hemingway schüttelte den Kopf. „Nicht über einen Mann, der einen großen Fisch besiegt.“
Er spannte ein Blatt ein.
„Über drei Freunde, die alles riskieren, damit er frei bleibt.“
Die erste Taste schlug auf das Papier. Im selben Augenblick begann der Raum zu beben. Die drei wurden zurück in ihre Zeit gerissen.
Als Perusina die Augen öffnete, lag eine neue vergilbte Seite in der Schreibmaschine.
Darauf stand:
Für Perusina, Perusino und Franz, die mir zeigten, dass man das Meer nicht besiegen muss, um eine große Geschichte zu erleben.
Darunter begann ein unbekannter Roman.
Perusino drehte das Blatt um.
Die Rückseite war leer.
„Wo ist die zweite Seite?“, fragte er.
Aus dem Inneren der Schreibmaschine kam ein leises Klacken.
Franz zog hastig seine Pfote zurück.
Was steckt in diesem Abenteuer?
Drei Spuren der Freunde
Sie steuert das Segelboot durch die Wellen und bringt Hemingway dicht genug an den Marlin heran, um das Filmkabel zu durchtrennen.
Er repariert die Segelleine, springt auf das Kameraboot und dreht es im letzten Augenblick vor den Felsen ab.
Er sammelt Hemingways herumfliegende Notizen ein. Dass ihm dabei zwei Seiten im Gesicht kleben, war nicht Teil seines Plans.
Deine Entdeckeraufgabe
Schreibe die fehlende zweite Seite von Hemingways erfundenem Roman. Was erlebt der befreite Marlin nach seinem Sprung? Begegnet er einem Segelboot, findet er eine unbekannte Meeresströmung oder kehrt er eines Tages nach Cabo Blanco zurück?
PeruMagazin auf WhatsApp
Neue Abenteuer, Peru-Ideen und Geschichten direkt auf dein Handy.
WhatsApp-Kanal öffnenFragen zu Cabo Blanco
Ist diese Geschichte wirklich passiert?
Nein. Die Zeitreise, die Rettung des Marlins und Hemingways unbekannter Roman sind erfunden. Hemingway hielt sich jedoch tatsächlich 1956 in Cabo Blanco auf.
Warum besuchte Hemingway Cabo Blanco?
Hemingway kam im Zusammenhang mit Filmaufnahmen zu Der alte Mann und das Meer nach Cabo Blanco. Der Ort war damals international für seine Hochseefischerei bekannt.
Wurde in Cabo Blanco wirklich ein riesiger Marlin gefangen?
Ja. 1953 wurde vor Cabo Blanco ein schwarzer Marlin mit einem Gewicht von etwa 700 Kilogramm gefangen. Der Fang machte den Ort weltweit berühmt.
Was ist an den Segelbooten von Cabo Blanco besonders?
Die Fischer nutzen Wissen über Wind, Strömungen, Segel und traditionelle Fangmethoden, das über Generationen weitergegeben wurde. Diese Kenntnisse wurden als Kulturerbe Perus anerkannt.
Warum wird der Marlin in der Geschichte befreit?
Das Abenteuer zeigt, dass eine große Meeresgeschichte nicht mit dem Fang eines Tieres enden muss. Der Schutz des Meeres und ein verantwortungsvoller Umgang mit seinen Bewohnern sind ebenso spannend.
Quellen und weiterführende Informationen
Die Sachinformationen zu Cabo Blanco, Hemingway und der Fischereigeschichte beruhen auf folgenden Informationen:
- Gobierno Regional Piura: Cabo Blanco als touristischer Ort von nationaler Bedeutung
- Municipalidad Distrital de El Alto: Geschichte der Hochseefischerei in Cabo Blanco
- Ministerio de Comercio Exterior y Turismo: Inventar der touristischen Ressourcen von Cabo Blanco
- Ministerio del Ambiente: Traditionelle Fischerei mit Segelbooten in Cabo Blanco und El Ñuro
- PeruMagazin: Cabo Blanco in Nordperu