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Pikimachay in Ayacucho: Neue Funde könnten Perus Frühgeschichte neu beleuchten

Neue Ausgrabungen bei Pikimachay in Ayacucho bringen Steinwerkzeuge und eiszeitliche Tierknochen ans Licht. Forscher untersuchen Perus frühe Besiedlung.

Neue archäologische Funde bei Pikimachay in Ayacucho liefern wichtige Hinweise auf die frühesten menschlichen Bewohner Perus. Seit Juni 2026 untersuchen Archäologen erneut das Umfeld der berühmten Höhle. Dabei wurden zahlreiche Steinwerkzeuge und Überreste eiszeitlicher Tiere gefunden.

Pikimachay gehört seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten, aber auch umstrittensten archäologischen Fundorten Perus. Frühere Untersuchungen brachten die Höhle mit einer menschlichen Besiedlung vor mehr als 20.000 Jahren in Verbindung. Genau diese außergewöhnlich frühe Datierung wird in der Wissenschaft jedoch seit Jahrzehnten diskutiert. Die neuen Untersuchungen sollen nun zusätzliche Daten liefern.

Neue Ausgrabungen bei Pikimachay

Die aktuelle Forschungsphase begann am 1. Juni 2026 und soll zunächst bis zum 31. August 2026 dauern. Das Team wird vom Archäologen José Ochatoma geleitet. Beteiligt sind Wissenschaftler der Universidad Nacional San Cristóbal de Huamanga.

Anders als bei früheren Untersuchungen konzentrieren sich die Archäologen nicht hauptsächlich auf das Innere der Höhle. Große Bereiche wurden dort bereits während früherer Forschungsprojekte ausgegraben. Stattdessen untersuchen die Wissenschaftler den Eingangsbereich von Pikimachay und kleinere Felsunterstände außerhalb der Höhle. Gerade diese Bereiche könnten neue Informationen darüber liefern, wie Menschen den Ort tatsächlich nutzten.

Zahlreiche Steinwerkzeuge entdeckt

Die bisherigen Ausgrabungen haben bereits eine größere Menge bearbeiteten Steinmaterials hervorgebracht. Dazu gehören Schlagsteine und Kerne zur Herstellung von Werkzeugen, Abschläge und Steinklingen, Schneidwerkzeuge mit erkennbaren Gebrauchsspuren sowie Projektilspitzen.

Die Funde sprechen dafür, dass Menschen vor dem Eingang von Pikimachay Werkzeuge herstellten oder bearbeiteten. Damit rückt nicht nur die Höhle selbst in den Mittelpunkt. Auch ihr unmittelbares Umfeld könnte Teil eines größeren Aufenthalts- und Arbeitsbereichs gewesen sein.

Knochen eines riesigen Faultiers gefunden

Besonders interessant sind außerdem Tierknochen aus den untersuchten Schichten. Einer der geborgenen Knochen könnte nach Einschätzung der Forscher zu einem Riesenfaultier gehören. Weitere Überreste müssen zunächst genauer untersucht werden.

Solche Funde sind für Pikimachay keineswegs ungewöhnlich. Bereits bei früheren Untersuchungen wurden Überreste pleistozäner Tiere dokumentiert. Dazu gehörten unter anderem Riesenfaultiere sowie ausgestorbene Formen von Lamas, Pferden und Hirschen. Entscheidend ist nun, ob sich zwischen diesen Tierresten und menschlichen Aktivitäten ein eindeutiger Zusammenhang nachweisen lässt. Dafür sind weitere Laboruntersuchungen notwendig.

Warum Pikimachay für Peru so bedeutend ist

Die Geschichte der Forschung in Pikimachay reicht mehrere Jahrzehnte zurück. Der US-amerikanische Archäologe Richard MacNeish führte Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre umfangreiche Untersuchungen im Gebiet von Ayacucho durch. Dabei entwickelte er eine chronologische Abfolge verschiedener Besiedlungsphasen.

Besonders bekannt wurde die sogenannte Pacaicasa-Phase. MacNeish ging davon aus, dass einige der gefundenen Spuren auf eine sehr frühe menschliche Anwesenheit hinweisen könnten. In frühen Interpretationen wurden teilweise Zeiträume von ungefähr 22.000 Jahren vor der Gegenwart diskutiert.

Damit wäre Pikimachay einer der außergewöhnlich frühen Fundorte menschlicher Besiedlung auf dem amerikanischen Kontinent. Doch genau diese Einordnung löste eine wissenschaftliche Diskussion aus, die bis heute anhält.

Die Datierung ist bis heute umstritten

Die ältesten Funde von Pikimachay wurden später von anderen Wissenschaftlern kritisch überprüft. Ein zentraler Streitpunkt betrifft bestimmte Steine aus den tiefsten Schichten der Höhle.

MacNeish interpretierte einen Teil davon als von Menschen hergestellte Werkzeuge. Andere Forscher kamen dagegen zu dem Ergebnis, dass einige Stücke durch natürliche Prozesse entstanden sein könnten. Dadurch ließ sich die extrem frühe Besiedlung nicht zweifelsfrei bestätigen.

Neuere wissenschaftliche Untersuchungen unterscheiden inzwischen stärker zwischen tatsächlich bearbeiteten Steinen und natürlich entstandenen Fragmenten. Auch deshalb sind die Ausgrabungen von 2026 so interessant. Sie bieten die Möglichkeit, neue Funde mit modernen Untersuchungsmethoden auszuwerten.

Neue Forschung könnte alte Fragen beantworten

Die Archäologen wollen nicht lediglich weitere Gegenstände bergen. Nach Abschluss der Feldarbeiten sollen die Materialien detailliert im Labor untersucht werden. Dabei geht es unter anderem um die zeitliche Einordnung der Fundschichten und die Analyse der Steinwerkzeuge.

Auch die Tierknochen spielen eine wichtige Rolle. Forscher müssen bestimmen, von welchen Tierarten sie stammen und in welchem Zusammenhang sie mit menschlichen Aktivitäten stehen könnten. Erst danach lässt sich beurteilen, wie stark die neuen Funde die bisherigen Vorstellungen über Pikimachay verändern.

Eine endgültige Bestätigung der ältesten, früher vorgeschlagenen Datierungen gibt es derzeit ausdrücklich noch nicht. Die Ergebnisse der laufenden Untersuchungen müssen deshalb abgewartet werden.

Pikimachay soll auch touristisch aufgewertet werden

Die Untersuchungen haben noch einen weiteren Hintergrund. Die Regionalregierung von Ayacucho möchte Pikimachay besser zugänglich machen und den archäologischen Fundort touristisch entwickeln. Das Forschungsprojekt wird auf Initiative der Regionalregierung durchgeführt und über die regionale Tourismusbehörde Dircetur unterstützt.

Geplant sind unter anderem verbesserte Wege und Stege für Besucher. Das ist wichtig, weil der Zugang zur Höhle teilweise über Bereiche mit losen Steinen und großen Felsblöcken führt. Langfristig soll Pikimachay stärker als Ort zur Vermittlung der frühen Geschichte Ayacuchos genutzt werden.

Bewohner von Pacaycasa werden beteiligt

Auch Menschen aus der umliegenden Gemeinde Pacaycasa sind in das Projekt eingebunden. Einheimische Arbeitskräfte unterstützen verschiedene Arbeiten und erhalten dafür entsprechende Schulungen.

Damit verbindet das Projekt archäologische Forschung mit regionaler Entwicklung. Ein besser erschlossener Fundort könnte künftig zusätzliche Besucher nach Pacaycasa und Ayacucho bringen. Für die Region wäre das auch wirtschaftlich interessant.

Die neuen Funde sollen in Ayacucho bleiben

Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft den zukünftigen Verbleib der archäologischen Objekte. Ein großer Teil der Funde aus früheren Forschungsprojekten befindet sich heute außerhalb Ayacuchos. Materialien aus den Untersuchungen von MacNeish gelangten unter anderem in Sammlungen in den Vereinigten Staaten. Andere Stücke befinden sich in Lima.

Bei der aktuellen Forschung soll das anders laufen. Die neu geborgenen Objekte sollen dazu beitragen, die Geschichte von Pikimachay direkt in Ayacucho zu vermitteln. Damit könnten Besucher künftig nicht nur die Höhle sehen, sondern zugleich mehr über die Werkzeuge und Lebensweise der Menschen erfahren, die diesen Ort nutzten.

Pikimachay bleibt eines der großen Rätsel Perus

Die neuen Ausgrabungen machen Pikimachay erneut zu einem spannenden Schauplatz der peruanischen Archäologie. Die bisher entdeckten Steinwerkzeuge zeigen menschliche Aktivitäten im Umfeld der Höhle. Die Tierknochen liefern zusätzliche Hinweise auf die Umwelt vergangener Jahrtausende.

Die vielleicht spannendste Frage bleibt jedoch offen: Wie alt sind die frühesten eindeutig nachweisbaren menschlichen Spuren von Pikimachay wirklich?

Die Feldarbeiten laufen noch bis Ende August. Anschließend beginnen Laboranalysen und die wissenschaftliche Auswertung. Erst diese Untersuchungen werden zeigen, ob die neuen Funde eine genauere Datierung ermöglichen. Für die Frühgeschichte Perus könnten die Ergebnisse von erheblicher Bedeutung sein.

Häufige Fragen zu Pikimachay

Wo liegt Pikimachay?

Pikimachay liegt bei Pacaycasa in der Provinz Huamanga in der Region Ayacucho. Der Fundort befindet sich nördlich der Stadt Ayacucho.

Warum ist Pikimachay berühmt?

Die Höhle wurde durch archäologische Funde bekannt, die mit sehr frühen menschlichen Aktivitäten in Peru in Verbindung gebracht wurden.

Ist Pikimachay wirklich mehr als 20.000 Jahre alt?

Frühere Forschungen brachten einzelne Schichten mit einem entsprechenden Alter in Verbindung. Diese Interpretation ist wissenschaftlich umstritten. Die aktuellen Untersuchungen sollen zusätzliche Daten zur zeitlichen Einordnung liefern.

Was wurde 2026 bei Pikimachay gefunden?

Archäologen entdeckten unter anderem Steinwerkzeuge, Abschläge, Kerne, Schneidwerkzeuge und Projektilspitzen. Außerdem wurden Knochen pleistozäner Tiere geborgen.

Wurde ein Riesenfaultier gefunden?

Unter den Knochen befindet sich ein Fund, der nach vorläufiger Einschätzung zu einem Riesenfaultier gehören könnte. Eine genaue wissenschaftliche Analyse steht noch aus.

Wann werden die neuen Untersuchungen abgeschlossen?

Die aktuelle Ausgrabungsphase läuft nach derzeitigem Plan bis zum 31. August 2026. Danach folgen Laborarbeiten und wissenschaftliche Analysen.

Quellen

Agencia Andina, 14. August 2026: Pikimachay: evidencias halladas en nueva investigación confirmarían antigüedad del sitio
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zur spätpleistozänen Fauna und zur archäologischen Einordnung der Pikimachay-Höhle.