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Perusina und Perusino: Das Sonnentor

Perusina und Perusino: Das Sonnentor

Kapitel 1: Ein Museum ohne Pommes. Perusina und Perusino besuchen mit ihrer Klasse eine Inka-Ausstellung im Japanischen Palais in Dresden. Erst sieht alles nach einem ganz normalen Schulausflug aus. Dann taucht Kusi auf, ein freches Zwerglama, das Museumsschilder frisst und die Kinder direkt zum ersten verbotenen Tor führt.

Ein Schulausflug, der langweilig beginnt

Perusino wusste schon vor dem Eingang, dass dieser Schulausflug schwierig werden würde.

Das Japanische Palais in Dresden sah nämlich nicht aus wie ein Ort, an dem man rennen, lachen, klettern oder Pommes essen durfte. Es sah aus wie ein Ort, an dem Erwachsene flüsterten und Kinder ständig Sätze hörten wie:

„Nicht anfassen.“

„Nicht rennen.“

„Perusino, nimm das sofort aus dem Mund.“

Perusino blieb auf dem Gehweg stehen und verschränkte die Arme. „Ich finde Museen langweilig“, sagte er.

Perusina sah ihn von der Seite an. „Du findest alles langweilig, was keine Räder, Knöpfe oder Schokolade hat.“

„Das stimmt nicht“, sagte Perusino. „Ich finde auch Dinge spannend, die explodieren.“

„Museen explodieren nicht.“

„Dann ist das ja genau mein Problem.“

Perusina, Perusino und ihre Schulklasse vor dem Japanischen Palais in Dresden
Der Schulausflug beginnt vor dem Japanischen Palais.
Perusina und Perusino mit ihrer Klasse in der Inka-Ausstellung
In der Inka-Ausstellung schaut Perusina genau hin. Perusino denkt an sein Käsebrötchen.

Gold, Knoten und ein verdächtiges Geräusch

Vor dem Eingang wartete Frau Menzel mit der ganzen Klasse. Sie hatte eine Liste in der Hand und diesen Blick, den Lehrerinnen bekommen, wenn sie freundlich bleiben wollen, aber innerlich schon sehr laut seufzen.

„Kinder“, sagte Frau Menzel, „heute besuchen wir eine ganz besondere Ausstellung. Es geht um die Inka.“

Perusina richtete sich sofort auf. „Die Inka lebten in Südamerika. Sie hatten große Städte, Tempel, Straßen in den Bergen und Quipus. Das waren Knotenschnüre.“

Perusino starrte sie an. „Du hast heimlich das Museum vorher auswendig gelernt.“

„Nein“, sagte Perusina. „Ich lese.“

„Das ist fast dasselbe.“

Im Museum war es kühl. In den Vitrinen lagen goldene Scheiben, bunte Stoffe, kleine Figuren, Tonschalen und geheimnisvolle Knoten.

Perusina blieb vor jeder Vitrine stehen. Perusino blieb vor keiner Vitrine stehen.

Gerade wollte Frau Menzel etwas über ein altes Sonnenfest erklären, da hörte Perusino ein Geräusch.

„Mpf.“

„Mpf-mpf.“

Kusi frisst den Hinweis

Das Geräusch kam aus einer Vitrine. Perusino drehte langsam den Kopf.

Zwischen zwei alten Tonkrügen stand ein winziges Lama.

Es war kaum größer als ein Dackel, aber viel flauschiger. Es hatte dunkle Knopfaugen, eine freche Schnauze und kaute auf einem kleinen weißen Schild herum.

Auf dem Schild hatte wahrscheinlich einmal gestanden: Bitte nicht berühren. Jetzt stand dort nur noch: Bitte ni...

Perusino blinzelte. Dann flüsterte er: „Perusina.“

„Was?“

„Da ist ein Lama.“

„Hier sind viele Lama-Darstellungen.“

„Nein“, sagte Perusino. „Ein richtiges Lama.“

Perusina trat neben ihn. Im selben Moment hob das kleine Lama den Kopf, sah die beiden Kinder an und rülpste leise gegen die Glasscheibe.

Perusino grinste. „Das ist das beste Museum der Welt.“

Kusi steht in einer Museumsvitrine und frisst ein Schild
Kusi taucht in der Vitrine auf und frisst ein Museumsschild.
Perusino folgt Kusi hinter eine Inka-Statue, während Perusina ihn festhält
Hinter der Inka-Statue leuchtet ein schmaler Spalt in der Wand.

Hinter der Statue leuchtet etwas

Das Lama schnappte sich den Rest des Schildes, wackelte mit dem Hinterteil und verschwand hinter einer großen Inka-Statue am Ende des Raumes.

Perusino machte bereits einen Schritt nach vorn. Perusina packte ihn am Ärmel.

„Nein.“

„Doch.“

„Wir dürfen nicht hinter die Absperrung.“

„Ich gehe nicht hinter die Absperrung.“

„Du stehst schon mit einem Fuß darüber.“

Perusino betrachtete seinen Schuh. „Dieser Fuß trifft eigene Entscheidungen.“

Da hörten sie es wieder. „Mäh.“ Es kam von hinter der Statue. Aber es klang eher wie: Kommt schon, ihr langsamen Menschenkinder.

„Das Lama braucht Hilfe“, sagte Perusino.

„Das Lama frisst Museumsschilder“, sagte Perusina. „Vielleicht braucht das Museum Hilfe.“

Bevor Perusina ihn noch einmal festhalten konnte, schlüpfte Perusino hinter die Statue. Natürlich folgte sie ihm. Perusino unbeaufsichtigt war ungefähr so sicher wie ein Mixer ohne Deckel.

Der Tunnel unter dem Museum

Hinter der Statue war ein schmaler Spalt in der Wand. Aus dem Spalt kam goldenes Licht.

„Das ist nicht normal“, sagte Perusina.

„Endlich“, sagte Perusino.

Dahinter führte eine enge Treppe nach unten. Die Stufen waren aus altem Stein. An den Wänden leuchteten Zeichen, als hätte jemand kleine Sonnen in den Fels gemalt.

Eine Sonne. Ein Mond. Eine Feder. Eine Pfote. Eine Schlange. Ein Blitz.

Perusina blieb stehen und sah genau hin. „Das ist eine Reihenfolge“, flüsterte sie.

„Oder eine Wand, die sich nicht entscheiden konnte“, sagte Perusino.

Unten endete die Treppe in einem Tunnel. Der Boden war mit goldenen Linien durchzogen. Sie liefen kreuz und quer, als hätte jemand ein riesiges Netz aus Licht geknotet.

Mitten im Tunnel stand Kusi. Er kaute auf einem Museumsplan.

„Hey!“, rief Perusina. „Den brauchen wir noch!“

Das Lama sah sie an. Dann schluckte es.

„Es hat den Ausgang gefressen“, sagte Perusino.

Perusina und Perusino entdecken einen geheimen Tunnel mit goldenen Symbolen
Unter dem Museum entdecken die Kinder den Tunnel mit goldenen Symbolen.
Perusino berührt das leuchtende Sonnentor im geheimen Tunnel
Das Sonnentor öffnet sich. Perusino berührt das goldene Tor.

Das erste Tor öffnet sich

Plötzlich begann die Wand vor ihnen zu zittern. Erst leuchtete nur ein kleiner Punkt. Dann wurde daraus ein Kreis. Dann öffnete sich mitten im Stein ein goldenes Tor.

Es war rund wie eine Sonne. Warm wie ein Sommertag. Und es summte, als würden hundert Bienen heimlich ein Lied üben.

„Wir gehen jetzt“, sagte Perusina.

„Wir gucken nur“, sagte Perusino.

„Nein.“

„Ganz kurz.“

„Mit den Augen anfassen.“

In diesem Moment stupste Kusi ihn von hinten an. Perusino stolperte. Seine Hand berührte das goldene Tor.

Für einen Atemzug war alles still. Dann schoss ein Lichtstrahl durch den Tunnel. Oben in Dresden wurden die Fenster hell. Die Kuppel der Frauenkirche glitzerte, als hätte jemand flüssiges Gold darübergegossen.

Und am Himmel erschien eine zweite Sonne. Dann eine dritte.

Perusina packte Perusinos Arm. „Was hast du getan?“

Perusino schluckte. Dann zeigte er auf Kusi. „Also technisch gesehen war es das Lama.“

Kusi rülpste. Aus der Dunkelheit des Tunnels kam eine kratzige Stimme: „Endlich. Das erste Tor ist offen.“

Und über Dresden begannen drei Sonnen zu brennen.

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