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Chasca - Die Göttin der Morgendämmerung

Perusino interviewt Chasca - Die Göttin der Morgendämmerung

Chasca an der Bushaltestelle: Ein Interview mit schlechter Laune und langsamem Licht

Der Morgen hängt über der Stadt wie eine unentschlossene Decke, und Chasca hat offenbar beschlossen, genau hier Dienst zu schieben. Asphalt glänzt kalt, Laternen brennen weiter aus Gewohnheit, und die Bushaltestelle am Stadtrand wirkt wie ein Wartezimmer für Menschen, die sich mit der Uhrzeit zerstritten haben. Ein Fahrplan klebt hinter Glas und tut so, als wäre Pünktlichkeit ein Naturgesetz. Die Luft riecht nach Metall, ein bisschen nach feuchtem Beton, und ganz kurz nach Brot, weil irgendwo ein Lieferwagen an einer Bäckerei vorbeifährt und den Duft wie eine Provokation mitbringt.

Perusino an der Bushaltestelle

Perusino sitzt auf der Bank, die Schultern hochgezogen, den Rucksack zwischen den Füßen. Das Handy ist leer, nicht dramatisch leer, sondern tot wie ein Stein. Stille bleibt übrig, und die Stille ist in dieser Minute keine freundliche. Aufmerksamkeit steckt in ihr, so als würde die Welt den Atem anhalten, bis sie sich entscheidet, ob sie jetzt wirklich hell werden will.

Ein Auto rauscht vorbei, viel zu schnell für diese Uhrzeit. Ein Hund klackert irgendwo mit Krallen über Pflaster, als hätte er einen Termin. Dann wieder nichts. Nur dieses Grau am Himmel, das nicht nach Wolken aussieht, sondern nach einem halbfertigen Gedanken.

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Perusino: Das hier ist Betrug. Ein Tag sollte einfach anfangen. Licht an, fertig. Warum gibt es dieses Dazwischen überhaupt?

Neben ihm sitzt plötzlich jemand. Chasca. Kein Schritt, kein Knirschen, kein großes Ankommen. Ein Platz, der eben noch leer war, ist jetzt besetzt, als hätte er nie leer sein dürfen. Eine Gestalt mit ruhiger Haltung, wachen Augen, Kleidung, die weder modern noch alt wirkt, eher so, als wäre sie genau für Übergänge gemacht.

Perusino und cahsca an der Haltestelle

Morgendämmerung (Chasca): Früh.

Perusino: Viel zu früh. Das ist kein Morgen. Das ist ein Fehler zwischen zwei Zuständen.

Ein Hauch Wind schiebt ein Stück Papier über den Boden. Das Rascheln klingt in dieser Stille übertrieben laut, als würde selbst Müll jetzt eine Meinung haben.

Morgendämmerung: Übergänge fühlen sich oft wie Fehler an.

Perusino: Sätze wie der da klingen nach Erwachsenen. Gleich kommt bestimmt noch eine Lebensweisheit und dann klatscht jemand.

Ein Blick geht von Chasca zum Himmel. Kein Pathos steckt darin, eher Prüfen. Der Himmel ist minimal heller, so wenig, dass die Augen sich streiten, ob das schon zählt.

Perusino: Alle erzählen, der Morgen sei wichtig. Niemand mag ihn. Absicht?

Morgendämmerung: Notwendigkeit.

Perusino: Das ist keine Antwort, das ist ein Schild ohne Richtung.

Morgendämmerung: Unbequeme Antworten wirken oft wie Schilder.

Perusino schnaubt leise. Ein Gähnen kommt, aber es ist kein gemütliches Gähnen, eher ein wütendes, als wollte der Körper protestieren.

Perusino: Die Sonne könnte das doch einfach regeln. Zack, da. Inti kann das. Warum dauert das so lange?

Morgendämmerung: Inti kommt, wenn alles bereit ist.

Perusino: Und wer entscheidet das?

Morgendämmerung: Ich.

Der Satz fällt ohne Betonung. Genau das macht ihn unangenehm stark. Kein Drohen, kein Auftrumpfen. Nur Feststellung.

Perusino: Und was machst du dann die ganze Zeit? Rumsitzen klingt nicht nach Weltordnung.

Morgendämmerung: Trennen.

Perusino: Trennen was?

Morgendämmerung: Zu früh und zu spät. Dunkel und hell. Ende und Anfang.

Ein Vogel ruft. Einer reicht. Der Ruf klingt wie ein erster dünner Faden, der das Grau am Himmel an etwas bindet, das man Tag nennen kann.

Perusino: Arbeit, die keiner sieht. Super. Genau mein Lieblingsgenre.

Morgendämmerung: Unsichtbare Arbeit hält vieles zusammen.

Perusino schaut auf die Straße, als könnte dort eine Erklärung vorbeifahren. Die Haltestelle wirkt plötzlich weniger wie ein Ort, an dem man wartet, und mehr wie ein Ort, an dem etwas sortiert wird.

Perusino schaut auf die Straße

Perusino: Eine Frage Chasca. Wenn ich diesen Moment hasse und einfach überspringe, weil Schlaf besser ist, kommt dann irgendeine Strafe?

Morgendämmerung: Keine Strafe.

Perusino: Gut. Dann kann ich ja wieder schlafen.

Morgendämmerung: Der Tag beginnt trotzdem. Nur ohne dich.

Das Wort trifft, weil es nicht böse ist. Sachlichkeit liegt darin, und Sachlichkeit ist nur dann nervig, wenn sie stimmt.

Perusino: Unfair.

Morgendämmerung: Freiheit.

Ein weiteres Auto fährt in der Ferne. Ein Bus ist noch nicht zu sehen, aber ein tiefes Brummen kündigt ihn irgendwo an, als würde die Stadt langsam die Augen öffnen. Das Grau kippt leicht. Konturen werden schärfer. Häuser bekommen Kanten zurück. Die Laternen wirken plötzlich peinlich, weil sie noch an sind.

Perusino in Schiffdorf

Perusino: Und wenn alle immer ausschlafen? Wenn niemand diesen Anfang mitbekommt?

Morgendämmerung: Dann werden Tage lauter. Schneller. Ungeduldiger.

Perusino: Ungeduld klingt nach mir.

Morgendämmerung: Ungeduld springt. Anfänge bauen.

Ein kurzer Moment Stille entsteht. Keine peinliche, eher eine, die passt. Perusino reibt sich die Augen, nicht aus Müdigkeit allein, eher aus Trotz gegen die Uhrzeit.

Perusino: Beleidigtsein gehört bei Göttern doch bestimmt zum Hobby. Nervt es dich, wenn keiner hinsieht?

Morgendämmerung: Beachtung ist kein Auftrag.

Perusino: Und was ist der Auftrag?

Morgendämmerung: Stabilität.

Ein Blick von Chasca trifft ihn kurz. Kein Funkeln, keine Drohung. Ein nüchterner Blick, als würde sie ihn wie einen Wetterbericht lesen.

Ein Blick von Chasca trifft ihn kurz.

Perusino: Also bist du so etwas wie ein Puffer.

Morgendämmerung: Ein Übergang, der hält.

Der Bus taucht endlich auf. Innenlicht, warme Luft, die Versprechen von normaler Uhrzeit. Türen zischen später, als er hält. Das Geräusch wirkt überlaut, weil die Welt draußen immer noch leise ist.

Perusino steht auf, schultert den Rucksack, bleibt aber einen Moment stehen. Der Himmel ist jetzt eindeutig heller, nicht schön im Film-Sinn, eher ehrlich. Das Licht kommt ohne Feuerwerk, aber es kommt.

Perusino: Und jetzt?

Morgendämmerung: Jetzt reicht es für heute.

Ein Platz neben ihm wirkt im nächsten Augenblick leer, ohne dass eine Bewegung zu sehen war. Kein Verschwinden zum Staunen. Ein Gefühl bleibt, als hätte jemand einen Knoten gelöst, den man vorher nicht bemerkt hat.

Der Einstieg in den Bus passiert normal. Sitze, ein paar verschlafene Gesichter, eine Jacke, die nach Waschmittel riecht. Wärme kriecht langsam in die Finger zurück. Draußen zieht die Haltestelle vorbei, klein und unspektakulär. Trotzdem fühlt sich der Tag weniger fremd an.

Der Einstieg in den Bus passiert normal.

Ein Anfang ist nicht automatisch angenehm. Ein Anfang ist erkennbar geworden. Genau darin liegt die Arbeit von Chasca, auch wenn niemand dafür klatscht und niemand dafür extra früh aufsteht.

Ein Busfenster zeigt kurz ein Spiegelbild, dann nur noch Straße. Ein Tag läuft weiter, ohne Applaus und ohne große Szene. Ein Anfang bleibt trotzdem hängen, weil er nicht geschenkt war.

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Die Göttin der Morgendämmerung, Chasca, steht für den Moment, in dem nichts entschieden wirkt und trotzdem alles vorbereitet wird. Chasca ist keine Figur des Ergebnisses, sondern der Übergänge, in denen Ordnung entsteht, bevor jemand sie bemerkt. Chasca wirkt nicht laut, sondern stabilisierend, genau dort, wo Anfang und Ungeduld aufeinandertreffen.

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